care | INCI-Wiki (3): Niacinamide

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Jeden Mittwoch gibt es an dieser Stelle ab sofort einen „INCI-Wiki“ Eintrag, in dem jeweils ein mehr oder weniger gängiger Inhaltsstoff in Hautpflegeprodukten beleuchtet wird. Mit der Zeit entwickelt sich so ein Kompendium, das Euch Inhaltsstoffe und deren wichtigste Facts bereitstellt.

Heute geht es um einen wahren Liebling unter Skincare-Lovern, denn dieser Powerwirkstoff spricht Hautprobleme verschiedenster Art an, lässt sich einfach selbst verarbeiten und ist dazu auch noch sehr gut verträglich.

Kategorie

Antioxidans, Entzündungshemmer

Chemische Bezeichnung

Nicotinsäureamid

Derivate und INCIs

Der Begriff Niacinamide beschreibt eine ganze Gruppe von verschiedenen Formen, in denen Vitamin B3 vorliegen kann. Im Körper finden sich sowohl Niacinsäure (auch Nicotinsäure) als auch Niacinamid (auch Nicotinsäureamid, Nicotinamid oder Pyridin-3-carbonsäureamid). Durch entsprechende Enzyme lassen sich die verschieden Formen in die jeweils aktive Wirkform überführen.

Wirkungsweise

  • entzündungshemmend
  • Stärkung der Hautbarriere durch gesteigerte Synthese von Hautbausteinen (Ceramide, Cholesterol)
  • Verminderung des transepidermalen Wasserverlusts
  • Sebumregulation [1]
  • Milderung feiner Falten durch Stimulation der Kollagenneubildung [2]
  • Verbesserung von Hautrötungen und Hyperpigmentierungen [3]

Niacinamid ist die Vorstufe für die Cofaktoren NAD und NADP. Ohne diese beiden Cofaktoren können im Körper viele enzymatische Reaktionen nicht ablaufen.

Einsatzkonzentration

  • 1-2% bei trockener Haut
  • 3-5% werden für reife Haut empfohlen
  • bis 4% bei unreiner Haut
  • alles bis 5% gilt als gut verträglich

Formulierung

Niacinamid ist wasserlöslich, lichtunempfindlich und in pH-Bereichen von 3 – 7.5 stabil. Allerding sollte Niacinamid nicht unter pH 4 formuliert werden, da sonst die Gefahr eines „Niacin-Flushs“ besteht. Grund hierfür: unter sauren Bedingungen wird Niacinamid in Nicotinsäure umgewandelt. Diese lässt uns Erröten, da sich die Blutgefäße erweitern, mitunter wird auch ein leichtes Brennen wahrgenommen.

Niacinamide entfalten ihre Wirkung am Besten in wässrigen Formulierungen (Gele, Fluids, Gesichtswasser, Öl-in-Wasser Emulsionen).

Funfact

Da der Körper geringe Mengen Vitamin B selbst herstellen kann, ist Vitamin B3 im Grunde kein „echtes“ Vitamin. Jedoch reichen die im Körper produzierten Mengen nicht aus, um den Bedarf an Vitamin B3 zu decken. Die empfohlenen Tagesmenge liegt bei 11-13 mg für Frauen und 14-17 mg für Männer. Schlechte Nachricht für Vegetarier und Veganer: Vitamin B3 findet sich vor allem in Fleisch, Fisch und Innereien. Zwar enthalten Pflanzen (Erdnüsse, Pilze, Kaffee, Getreide/Brot) auch geringe Mengen Vitamin B3, jedoch werden sie schlechter aufgenommen und verstoffwechselt. Ein Mangel an Vitamin B3 ist hierzulande trotzdem extrem selten und tritt wenn dann nur als Folge von Krankheiten auf (Magersucht, Alkoholismus, chronischer Durchfall, Leberzirrhose). Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt ausreichend Protein und Aminosäuren auf, eine dieser Aminosäuren heißt Tryptophan und lässt sich im Körper zu Niacinamid umwandeln.

Dream Team

Niacinamide lieben die Kombination mit weiteren feuchtigkeitsspendenden INCIs: Sodium Lactate, Sodium PHA, Panthenol, …

Good to know

Niacinamide führen topisch angewandt bei vielen Hauterkrankungen (Akne, Rosacea, atopische Dermatitis,…) zu einer deutlichen Verbesserung des Hautbildes. Die orale Zufuhr von Vitamin B3 soll nach neuesten Forschungsergebnissen bei Hochrisikopatienten die Häufigkeit von weißem Hautkrebs reduzieren [4].

Literaturangaben

[1] Draelos et al., 2006. J Cosmet Laser Ther, 8(2):96-101. The Effect of 2% niacinamide on facial sebum production.

[2] Bissett et al., 2004. International Journal of Cosmetic Science 26, S. 231–238. Topical niacinamide reduces yellowing, wrinkling, red blotchiness, and hyperpigmented spots in aging facial skin.

[3] Kim et al., 2015. Eur J Pharmacol, 769:250-6. N-Nicotinoyl dopamine inhibits skin pigmentation by suppressing of melanosome transfer.

[4] Chen et al., 2015. N Engl J Med, 373(17): 1618-26. A Phase 3 Randomized Trial of Nicotinamide for Skin-Cancer Chemoprevention.

care | understanding skincare

16 Gedanken zu “care | INCI-Wiki (3): Niacinamide

  1. Super tolle Idee mit dieser Inci-Reihe! Ich beschäftige mich auch sehr mit Inhaltsstoffen und liebe es andere Meinungen zu lesen! Oft ist nämlich auch einfach mal ein ganz neuer Aspekt beleuchtet, den ich vorher noch gar nicht kannte. Niacinamid ist mein absoluter Lieblingsinhaltsstoff! Ich hatte mal eine Creme, wo eine ganze Menge davon drin war und meine zickige und zu Unreinheiten neigende Mischhaut war wie ausgetauscht! Es war der Wahnsinn. Leider möchte ich die Marke nicht länger unterstützen und muss mir mal eine Alternative suchen. Bei dir habe ich gelesen, dass Niacinamide am besten in Flüssigkeiten wie z.B. Geischtswasser wirken … das passt mir gut! Gesichtswasser benutze ich eh. Dann muss ich mal gucken, wie ich mir das eventuell sonst selbst zurecht mische.

    Liebe Grüße,
    Vera

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Vera,
      vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für so ein liebes und ausführliches Feedback genommen hast!! Freut mich sehr, dass Dir die Reihe gefällt.

      Ich habe mir auch vorgenommen in Zukunft häufiger Niacinamid zu verwenden, denn die Wirkung spricht einfach Bände.

      Liebste Grüße,
      Sarah

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  2. Hallo hallo,

    Niacinamide soll man doch, auf Grund des PH Wertes (bzw um einen Flush zu verhindern) nicht mit einigen Stoffen gemeinsam verwenden. Oder ist es sogar so, dass dann die Wirkung der Stoffe herabgesetzt wird ?
    Ich habe im Kopf, nicht in Verbindung mit Säuren (AHA, BHA) – aber es kann auch Vitamin C sein… Ich bin verwirrt. Kannst du mir sagen, ob ich es eher mit aha, bha oder eher mit vit c in verbdinung auftragen sollte ?

    habe mir das gesichtswasser von edeka geholt, dort ist niacinamid an 3. stelle und es ist reizarm zusammengesetzt :))))

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Karla,

      genau, NIacinamide am besten nicht mit Säuren zusammen bringen, bzw nicht in ein saures Milieu lassen. Viele Vitamin C Produkte sind sauer formuliert, sind sie aber aufs Silikonbasis, sollte es kein Problem sein. Also es schließt sich nicht grundsätzlich aus. Genauso mit BHA. Direkt nacheinander würde ich es nicht anwenden, aber mit etwas Abstand wäre es prinzipiell möglich, da sich BHA nach ca. 15 min von selbst neutralisiert. Ähnlich kann ich mir die Sache mit AHA vorstellen, weiß es aber nicht zu 100%. Wenn Du genug Zeit lässt, sollte es möglich sein. Die Haut stellt den pH ja nach sauren Peelings selbst wieder ein. Ist halt nur eine Frage der Zeit, also wie lange soll die Routine dauern oder will man es lieber schnell abhandeln. Konnte ich Dir weiterhelfen oder hast Du noch andere Fragen? Lass es mich bitte einfach wissen!
      Das Gesichtswasser klingt ja sehr interessant. Muss ich auch mal anschauen 😉

      Liebste Grüße,
      Sarah

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  3. Pingback: Freebie der Woche: Ein Wunsch-Produkt von Olaz! | Frau Reineke

  4. Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich mal hier unter diesen etwas älteren Post von dir kommentiere 🙂 Ich habe momentan in ziemlich vielen meiner Pflegeprodukte Niacinamide unter anderem im Toner, im Moisturizer und in der Sonnencreme und jetzt aber ein Serum mit Vitamin C bekommen. Aber wann könnte ich es in meine Pflege einbauen? Früher hatte ich eins für morgens, als ich danach keine Sonnencreme mit Niacinamide benutzt habe und bin super zurecht gekommen – jetzt habe ich allerdings bedenken, wegen des Flushs…oder meinst du ich kann das Serum einfach mit einer gewissen Pause zwischen den Schritten verwenden (habe es bislang erst zweimal abends benutzt, als ich zeit hatte eine dreiviertel stunde bis zum nächsten Schritt zu warten)? Irgendwie bin ich doch recht unsicher, was die Reihenfolge angeht, vielleicht kannst du mir weiter helfen!

    Liebst ♥
    Lea Christin

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Lea Christin,

      aber natürlich kannst Du das! Freue mich immer von Dir zu lesen.
      Dazu wäre jetzt interessant zu wissen, was für ein Vitamin C Serum Du verwendest. Ist es silikonbasiert, gibt es nichts zu bedenken. Denn wo Vitamin C in Silikon formuliert, da kein pH und schon gar kein saurer. Aber ich vermute fast, dass Dir das bewusst ist… sonst nicht deine Frage 🙂
      Warten ist eine Option, aber nicht immer hat man auch wirklich die Zeit dazu. Ich handhabe das so, dass ich Vitamin C nur an 2-3 Tagen die Woche verwende, einen Tag davon am Wochenende, wenn ich genug Zeit habe auch mal zu warten. Solange das Serum ordentlich stark konzentriert ist, kannst du die Gewebekonzentration auch sehr gut sättigen. Vitamin C hat in der Haut nämlich eine Halbwertszeit von mehreren Tagen, daher muss man es für eine erfolgreiche Wirkung nicht täglich anwenden. Mehr dazu habe ich auch mal in einem Artikel erläutert (Vitamin C- worth the hype?).
      Konnte ich Dir damit weiterhelfen? Wenn nicht, bitte unbedingt noch einmal melden!!

      Liebste Grüße und ein schönes Wochenende,
      Sarah

      Gefällt mir

      • Vielen Dank für die schnelle Antwort! Damit hast du mir auf jeden Fall schon weiter geholfen, das mit der Halbwertszeit war mir tatsächlich noch nicht bekannt! Mein vorheriges Serum war auf silikonbasis, deswegen hatte ich mir damals gar keine Sorgen darum gemacht, dieses ist jedoch auf Wasserbasis. Dann werde ich mich nochmal in deinen anderen Beitrag einlesen! Ich möchte Vitamin C wirklich gerne in meine Hautpflege integrieren, scheine da aber auch etwas empfindlich zu sein – mehr auf jeden Fall, als bei Retinol zum Beispiel….

        Liebst ♥
        Lea Christin

        Gefällt 1 Person

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