care | INCI-Wiki (13): Ubiquinone

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Wenn ich einen Inhaltsstoff mit „Anti-Age“ in Verbindung bringe, das ist es eindeutig Ubiquinone bzw. Coenzym Q10. Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Begriff Coenzym Q10 ist nur mal wieder eine werbewirksame Wortschöpfung eines Kosmetikkonzerns. Tatsächlich handelt es sich hierbei ausnahmsweise um keinen Phantasiebegriff, sondern um eine biochemisch korrekte Bezeichnung. Coenzyme sind  Stoffe, die für die Funktion von Enzymen unerlässlich sind. Enzyme wiederum sind Proteine, die im menschlichen Körper das Ablaufen chemischer Reaktionen überhaupt erst ermöglichen. Wie das mit „Anti-Aging“ und Hautpflege zusammen passt, erfahrt ihr im heutigen Post.

Kategorie

Antioxidans

Chemische Bezeichnung

6-all-trans-Decaprenyl-2,3-dimethoxy-5-methyl-1,4-benzochinon

INCI und alternative Namen

Ubiquinone (INCI), Q-10, Ubichinon-10, Ubichinon, Coenzym Q10 (veraltet)

Wirkungsweise

  • antioxidative Wirkung, Schutz vor freien Radikalen/ROS [1]
  • antientzündliche Wirkung [2, 3]
  • Glättung feiner Falten [4]
  • Schützt vor UBA- und UVB induzierten Hautschäden [4, 5]
  • Förderung der Zellerneuerung
  • Steigerung der Elastinproduktion in der Haut (elastische Fasern) und Hemmung der Melaninsynthese [6]
  • zellulärer Energielieferant- unterstützt im Rahmen der Atmungskette die ATP Produktion in den Mitochonrien unserer Zellen

Einsatzkonzentration

0.3-0.5%

Formulierung

Ubiquinone ist ein großes und relativ schwerlösliches Molekül, was zur Folge hat, dass Ubiquinone allein relativ schlecht die Haut penetrieren und in lebende Hautzellen vordringen kann. Nur hier kann Ubiquinone aber seine Wirkung entfalten, da es sich als fettlösliches Molekül in die Lipid-Doppelschicht der Zellmembran einlagert und dort antioxidative Eigenschaften übernimmt. Die Bioverfügbarkeit von Ubiquinone lässt sich steigern, indem man es in Liposomen verkapselt, so wird die Hautbarriere überwunden und Ubiquinone dringt besser in die Haut ein. In der Regel verweisen Kosmetikhersteller explizit auf die Verwendung von Liposomen, sollte dies nicht erwähnt sein, kann der INCI “Lechitin” einen Hinweis geben, da es ein Hauptbestandteil von Liposomen ist.

Funfact

Eigentlich weniger lustig, vielmehr regt dieser Fact zum Nachdenken an: die Wirksamkeit von Ubiquinone ist zwar durch viele Studien belegt, jedoch sind dies in der Regel in vitro Studien an (Haut-)Zelllinien. Zwar habe ich auch Studien gefunden, die an primären Fibroblasten (Hautzellen direkt von Patienten entnommen) durchgeführt wurden, dennoch ist die in vivo Wiksamkeit von Ubiquinone vergleichsweise wenig belegt.

Dreamteam

Vor allem die Kombination mit anderen Antioxidantien (Vitamin A, C, E) gilt als sinnvoll und wirksam, da durch Umwelteinflüsse (UV-Strahlung, Rauchen, Alkohol,…) entstandene reaktive Sauerstoffspezies (ROS) abgefangen und neutralisiert werden.

Good to know

Ubiquinone wird sowohl vom Körper selbst produziert, als auch über die Nahrung aufgenommen (ca. 10 mg pro Tag [7]). Ein wirklicher Ubiquinone-Mangel kommt extrem selten vor und findet sich in der Regel nur bei Menschen, die bereits Vorerkrankungen (Myopathien/Muskelleiden) haben. Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt täglich ausreichend Ubiquinione zu sich. Es ist unter anderem in Nüssen, Pflanzenölen, Brokkoli, Kartoffeln, Spinat, Hülsenfrüchten und öligem Fisch enthalten.

Im Laufe des Lebens nimmt die körpereigene Ubiquinone-Produktion ab, daher ist es häufig in Hautpflegeprodukten für reife Haut enthalten. Aber auch Rauchen, Stress, erhöhter Alkoholkonsum führen zu einer Verminderung des natürlich vorhandenen Ubiquinons.

Literaturangaben

[1] Saint-Léger, D. et al., The use of hydroxy acids on the skin: characteristics of C8-lipohydroxy acid., J Cosmet Dermatol 2007 Mar;6(1):59-65.

[2] Uitto, J. Understanding premature skin ageing., N. Engl. J. Med. 1997;337, 1463–1465.

[3] Fuller, B., Smith, D., Howerton, A. et al., Anti-inflammatory effects of CoQ10 and colorless carotenoids., J. Cosmet. Dermatol. 2006;5, 30–38.

[4] Inui, M., Ooe, M., Fujii, K. et al., Mechanisms of inhibitory effects of CoQ10 on UVB-induced wrinkle formation in vitro and in vivo., Bio Factors 2008;32, 237–243.

[5] Muta-Takada, K., Terada, T., Yamanishi, H. et al., Coenzyme Q10 protects against oxidative stress-induced cell death and enhances the synthesis of basement membrane components in dermal and epidermal cells., BioFactors 2009;35, 435–441.

[6] Zhang, M. et al., Coenzyme Q10 enhances dermal elastin expression, inhibits IL-1α production and melanin synthesis in vitro., Int J Cos Sci 2012; Vol. 34,3:273-279.

[7] Bayer, W. und Schmidt, K., Coenzym Q10- Aktueller Erkenntnisstand., Ernährung&Medizin 2002;17:130-140.

 

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