care | INCI-Wiki (17): Milchsäure

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Jeden Mittwoch gibt es an dieser Stelle einen „INCI-Wiki“ Beitrag, in dem jeweils ein mehr oder weniger gängiger Inhaltsstoff in Hautpflegeprodukten beleuchtet wird. Mit der Zeit entwickelt sich so ein Kompendium, das Euch Inhaltsstoffe und deren wichtigste Facts bereitstellt. In der Kategorie „INCI-Wiki“ findet ihr alle bisherigen Artikel.

Neben Glycolsäure gehört Milchsäure den Alpha-Hydroxysäuren (AHA), die am häufigsten in der Kosmetik für chemische Peelings verwendet werden. Weshalb Milchsäure sich besonders für empfindliche Haut oder zum Einstieg in das Business der chemischen Peelings eignet, habe ich im heutigen Beitrag für euch recherchiert und zusammen gefasst.

Kategorie

Feuchthaltemittel, Hautconditioner, Exfolians

Chemische Bezeichnung

2-Hydroxypropansäure

INCI und alternative Namen

Lactic Acid (INCI), Milchsäure, 2-Hydroxypropionssäure, E270

Wirkungsweise [1, 2, 3]

  • reguliert als Bestandteil des Säureschutzmantels den pH-Wert der Haut (pH 5-5.5) und sorgt so für ein leicht saures Mileu, das die bakterielle Besiedlung der Haut reguliert
  • hemmt das Wachstum hautfremder Mikroorganismen
  • feuchtigkeitsspendend
  • keraotolytisch (baut abgestorbene Hautzellen ab)
  • regt die Ceramid- und Kollagenbildung der Haut an und verbessert so die Flexibilität der Haut
  • wirkt sehr gut bei unreiner oder bereits entzündeter Haut: Milchsäure dringt in die Talgdrüsen ein und entfernt dort abgestorbene Hautzellen, die ihrerseits Nährboden für Entzündungen jeglicher Art sind.

Einsatzkonzentration

3-10%

0.1-0.5% zur Einstellung des hautphysiologischen pH-Wertes in kosmetischen Zubereitungen

bis 10% für die keratolytische Wirkung in chemischen Peelings

Höherprozentige Milchsäurepeelings sollten nur vom Spezialisten durchgeführt werden und eignen sich nicht für den Hausgebrauch.

Formulierung

Milchsäure löst sich gut in Wasser, Alkohol und Glycerin, somit erklärt sich auch, weshalb es in so vielen verschiedenen Produkten zur Einstellung des pH-Wertes verwendet wird. Will man von der keratolytischen Wirkung profitieren, sollte der pH-Wert des jeweiligen Produktes 5-5.5 betragen. Ab pH 6 weist Milchsäure keine keratolytischen Eigenschaften mehr auf.

Funfact

Der menschliche Körper produziert pro Tag ca. 120g Milchsäure zur Versorgung von Muskulatur, Haut, Haaren, Blut und Organen. Der Vorteil von Milchsäurepeelings liegt also auf der Hand: die Milchsäure wird als körpereigen erkannt, effektiv von den Zellen aufgenommen und verursacht weniger Irritationen. Gleichzeitig sorgt die etwas größere Molekülstruktur dafür, dass Milchsäure im Vergleich zur „kleineren“ Glycolsäure langsamer in die Haut eindringt und so ihre Wirkung langsamer und milder entfaltet.

Dreamteam

Milchsäure ist ein fantastischer Feuchtigkeitsspender und gehört zu den NMFs (Natural Moisturizing Factor) unserer Haut. Als NMFs werden alldiejenigen hauteigenen Substanzen der Haut bezeichnet, die sich durch eine hohe Wasserbindungskapazität auszeichnen und die Haut somit gut durchfeuchten. Neben Milchsäure ist auch das Salz der Milchsäure (Sodium Lactate, Natriumlactat) ein beliebter Feuchtigkeitslieferant. In Pfegecremes ist die Kombination aus Milchsäure und ihrem Salz aufgrund der feuchtigkeitsspendenden und der pH-regulierenden Eigenschaften ein all time favorite. Aber auch Formulierungen mit anderen NMFs wie Harnstoff, Hyaluronsäure oder Zuckern bilden ein gutes Match.

Good to know

Milchsäure gehört zusammen mit Glycol-, Apfel- und Weinsäure zu den bekanntesten Vertretern der Alpha-Hydroxysäuren (AHA). Wer „Säure“ liest, denkt vielleicht zuerst an Verätzungen oder aggressive Eigenschaften. Weit gefehlt, denn richtig angewandt und formuliert sind diese Säuren überaus mild. AHAs finden sich in vielen chemischen Oberflächenpeelings und sind mechanischen Peelings (mit Schleifpartikeln) weit voraus [4]. Während mechanische Peelings die äußere Hornschicht der Haut abtragen und zu Mikroverletzungen oder auch trockener Haut führen können, ist der Wirkmechanismus chemischer Peelings ein anderer. Chemische Peelings mit AHAs wirken schon während der Bildung der Hornschicht unserer Haut. Die regelmäßige Anwendung führt dazu, dass die Hornschicht dünner und somit flexibler wird, ein Effekt, der besonders bei der Pflege unreiner Haut, Akne und Verhornungsstörungen erwünscht ist [5]. Also keine Angst vor chemischen Peelings, richtig angewandt können sie der Haut den typischen „Glow“ bescheren.

Literaturangaben

[1] Smith, W.P., Epidermal and dermal effects of topical lactic acid. J Am Acad Dermatol 1996 Sep;35(3 Pt 1):388-91.

[2] Grajqevci-Kotori, M. et al., Exfoliative Skin-peeling, Benefits from This Procedure and Our Experience. Med Arch. 2015 Dec;69(6):414-6.

[3] Smith, W.P., Comparative effectiveness of alpha-hydroxy acids on skin properties. Int J Cosmet Sci 1996 Apr;18(2):75-83.

[4] Scholz, D. et al., Fruit acid extracts, a fresh approach to skin renewal. Int J Cosmet Sci 1994 Dec;16(6):265-72.

[5] Drealos, Z. et al., Novel retinoid ester in combination with salicylic acid for the treatment of acne. J Cosmet Dermatol 2016 Mar;15(1):36-42.

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Ein Gedanke zu “care | INCI-Wiki (17): Milchsäure

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