care | INCI-Wiki (24): Alkohol

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Alkohol im weitesten Sinne bezeichnet eine chemische Stoffgruppe mit vielen verschiedenen Vertretern, die sich durch eine strukturelle Gemeinsamkeit auszeichnen: die funktionale Alkoholgruppe. Damit aber auch schon genug aus dem Chemieunterricht. Wenn ihr euch etwas merken sollt, dann folgendes: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Dazu müssen wir weg von der Überbezeichnung und etwas konkreter werden.

Wenn wir von alkoholischen Getränken sprechen, ist Ethanol gemeint. Ethanol taucht in kosmetischen Zubereitungen als “Alcohol” und “Alcohol denat.” auf, zwei Inhaltsstoffe, die in Abhängigkeit ihrer Konzentration oft mehr schaden als nutzen. Dem gegenüber stehen Alkoholverbindungen, die zwar in dieselbe chemische Stoffgruppe gehören, jedoch hautpflegende Eigenschaften besitzen, z.B. Cetearyl alcohol, Cetylstearyl alcohol, Isostearyl alcohol, Stearyl alcohol, Glycerol und andere, die man unter der Kategorie “Fettalkohole” verordnen kann.

Das heutige INCI-Wiki steht zwar unter dem irreführenden Sammelbegriff Alkohol, gemeint ist aber eigentlich Ethanol im Speziellen: Über Sinn und Unsinn von Ethanol in Hautpflegeprodukten lest ihr in heutigen Post.

Kategorie

Lösungsmittel, Konservierungsmittel

Chemische Bezeichnung

Ethanol

INCI und Derivate

Alcohol (INCI), Alcohol denat. (INCI), Alkohol, Ethylalkohol, Äthanol, Weingeist

Wirkungsweise

  • geruchneutrales Lösungsmittel: viele kosmetische und/oder pflanzliche Rohstoffe sind nicht oder nur in sehr geringem Maße wasserlöslich. Um sie dennoch in wasserbasierten Kosmetika formulieren zu können, wird Alkohol als Lösungsmittel benötigt
  • Konservierungsmittel
  • löst Fette und damit auch die in der Haut enthaltenen Fette, die Folge: trockene, gerötete und irritierte Haut, das Zeichen für eine gestörte Hautbarriere [1, 2, 3]

Einsatzkonzentration

  • bis 10% unterstützende konservierende Wirkung
  • 15-20% vollständige konservierende Wirkung
  • 40-80% in Deos und Deosprays: hier dient Alkohol vor allem zum Lösen der Inhaltsstoffe und für den Frischeeffekt
  • bis 60% in After Shaves mit antimikrobieller Funktion
  • bis 80% in Parfüms zum Lösen der Parfümöle

Formulierung

Ethanol ist eine klare und leicht flüchtige Flüssigkeit, in der sich fettlösliche Substanzen in Lösung bringen lassen. Viele kosmetische Rohstoffe ließen sich ohne den Zusatz von Alkohol nicht formulieren. Deshalb muss man manchmal in den sauren Apfel beißen, wenn man bestimmte Inhaltsstoffe anwenden möchte. Ein Blick auf die INCI-Liste kann hilfreich sein: taucht Alcohol bzw. Alcohol denat. weit vorne auf, kann man davon ausgehen, dass die hautreizenden, fettlösenden und konservierenden Eigenschaften überwiegen. Taucht es weit hinten in der INCI-Liste auf, tendiere ich dazu darüber hinweg zu sehen, solange das Produkt ansonsten pflegend formuliert ist bzw. solange der Rest meiner Pflegeroutine entsprechend mild und alkoholfrei ist.

Funfact

Nach wie vor werden Produkte zur Pflege unreiner Haut oft mit Unmengen an Alkohol formuliert. Die Pickel müssen schließlich ausgetrocknet, die Haut desinfiziert und entfettet werden – falsch! Leider zerstört genau diese Herangehensweise auf lange Sicht die Hautbarriere. Die Haut wird – bildlich gesprochen – löchrig und trocken, was es Schmutz und Bakterien erleichtert, in die Haut einzudringen. Im schlimmsten Fall bekommt man so nur noch mehr Unreinheiten und Entzündungen. Die milde Alternative zur Reinigung und Pflege unreiner Haut ist Salicylsäure: ganz ohne Trockeneffekte wird man Unreinheiten und überschüssiges Fett auf der Haut los. Schade, dass die meisten Drogerieprodukte Salicylsäue fast ausschließlich in homöopathischen Mengen enthalten.

Dreamteam

Ob man im Zusammenhang mit Alcohol/ Alcohol denat. überhaupt von Dreamteam reden kann? Schwierig, würde ich sagen. Einige Hersteller verargumentieren den Einsatz von Ethanol damit, dass es die Penetration bestimmter Inhaltsstoffe in die Haut unterstützt [4]. Das ist absolut richtig, denn die Hautbarriere wird gestört und “aufgebrochen”- so würde fast jeder Stoff gut in die Haut eindringen.

Falls man überhaupt von einen Dreamteam reden kann, dann höchstens in dem bereits erwähnten Zusammenhang: will man auf bestimmte Inhaltsstoffe nicht verzichten, muss manchmal mit Ethanol gearbeitet werden. Wichtig ist dann aber im Anschluss ein entsprechend hautpflegendes Produkt zu verwenden, um die hautirritierenden Wirkungen des Ethanols bestmöglich einzugrenzen.

Good to know

Der Unterschied zwischen Alcohol und Alcohol denat.? Ersterer ist reiner Trinkalkohol, der als solcher natürlich der Alkoholsteuer unterliegt. Um Kosten zu sparen verwenden Kosmetikhersteller daher Alcohol denat., vergällten Alkohol, der nicht trinkbar ist. Zum Vergällen können je nach späterem Einsatzgebiet verschiedene Substanzen verwendet werden: Methanol, Phtalate, Isopropylalkohol, tert-Butanol, Aceton, Glycerin uvm.. Letztendlich weiß man als Verbraucher nie ganz genau, welches Vergällungsmittel verwendet wurde und viele dieser Mittel bergen für sich gesehen ebenfalls ein hautirritierendes Potenzial [5].

Literaturangaben

[1] Kwak et al., Ethanol perturbs lipid organization in models of stratum corneum membranes: An investigation combining differential scanning calorimetry, infrared and 2H NMR spectroscopy. Biochim Biophys Acta. 2012 May;1818(5):1410-9.

[2] Van der Merwe and Riviere, Comparative studies on the effects of water, ethanol and water/ethanol mixtures on chemical partitioning into porcine stratum corneum and silastic membrane. Toxicol In Vitro. 2005 Feb;19(1):69-77.

[3] Barba et al., Skin barrier modification with organic solvents. Biochim Biophys Acta. 2016 Aug;1858(8):1935-43.

[4] Zhang et al., Vehicle effects on human stratum corneum absorption and skin penetration. Toxicol Ind Health. 2016 Jul 19.

[5] Cosmetic Ingredient Review Expert Panel, Final report of the safety assessment of Alcohol Denat., including SD Alcohol 3-A, SD Alcohol 30, SD Alcohol 39, SD Alcohol 39-B, SD Alcohol 39-C, SD Alcohol 40, SD Alcohol 40-B, and SD Alcohol 40-C, and the denaturants, Quassin, Brucine Sulfate/Brucine, and Denatonium Benzoate. Int J Toxicol. 2008;27 Suppl 1:1-43.

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