care | INCI-Wiki (29): Granatapfelextrakt

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Irgendeine Kosmetikfirma (ich komme gerade einfach nicht drauf welche), verkauft ihre Produkte sinngemäß unter dem Slogan „Schmiere Dir nichts ins Gesicht, was Du nicht auch essen würdest“. Generell finde ich diese Aussage etwas überzogen, aber unbestritten ist heutiger Inhaltsstoff nicht nur in der Hautpflege ein vielseitig einsetzbarer Inhaltsstoff, sondern schmeckt auch noch fantastisch. Auch wenn das Pulen der Granatapfelkerne regelmäßig  zu einer Geduldsaufgabe und anschließendem Putzmarathon wird, das Früchtchen hat es einfach in sich: reich an Vitaminen, sekundärenen Pflanzenstoffen und Mineralien hat der Granatapfel also zurecht einen Platz im Rahmen einer gesunden Ernährung und auch in Hautpflegeprodukten lässt sich von den Vorzügen profitieren.

Kategorie

Antioxidans

INCI

Punica Granatum Extract

Wirkungsweise

  • antioxidative Wirkung u.a. durch den hohen Gehalt an Polyphenolen (sekundäre Pflanzenstoffe) und Anthocyanen (Pflanzenfarbstoffe). Das wichtigste Antioxidans des Granatapfelextrakts ist jedoch die mehrfach ungesättigte Fettsäure Punicinsäure, die in der Natur nur relativ selten vorkommt.
  • bei Mischhaut: ausgleichende Wirkung, verfeinert Poren und fördert ein ebenmäßiges Hautbild
  • antientzündliche und hautberuhigende Wirkung
  • bewahrt die Elastizität der Haut

Einsatzkonzentration

5-10%

Formulierung

Das Extrakt des Granatapfels ist in der Dermatokosmetik vielseitig einsetztbar und lässt sich sowohl auf Fett- als auch auf Wasserbasis formulieren. Häufig ist dieser Inhaltsstoff in Pflegeprodukten für reife und beanspruchte Haut zu finden, jedoch gilt wie immer beim Einsatz von entsprechenden Produkten: nicht das Alter, sondern die Bedürftnisse der Haut sind entscheidend für die Wahl einer geeigneten Pflege.

Funfact

Bei der Recherche zu diesem Inhaltsstoff bin ich mal wieder über extrem viele pseudo-Wahrheiten gestolpert, welche zeigen, dass es momentan einfach noch zu wenig sinnvolle Literatur gibt. Obwohl Berichte über die pflegenden Eigenschaften des Granatapfelextraktes bis in die griechische Mythologie zurückreichen, scheint es kaum evidenzbasierte Studien zu geben. Stattdessen häufen sich Artikel in Wald und Wiesen Blättern, mit zweifelhaft hochlobenden Aussagen. So auch folgende, die bei mir einfach nur Kopfschütteln ausgelöst hat:

“Granatäpfel sind hervorragend für Hautpflegemittel geeignet. Sie spenden viel Feuchtigkeit und dringen dank ihrer Molekularstruktur selbst in tiefer gelegene Schichten der Haut.”

Punkt 1: wie bitte soll ein Granatapfel in die Haut eindringen?! Klar, hier ist mit Sicherheit das Extrakt gemeint. Wer aber entsprechende Details so unzureichend darlegt, büßt bei mir direkt Glaubwürdigkeit ein.

Punkt 2: Gehen wir also davon aus, dass nicht der Granatapfel, sondern das entsprechende Extrakt gemeint ist, überzeugt mich die Aussage trotzdem noch immer nicht. Die “Molekularstruktur” von Granatapfelextrakt gibt es so de facto nicht, da sich das Extrakt aus mehr als nur einem chemischen Stoff zusammensetzt – um nur einige zu nennen und auf die Komplexität des Extraktes hinzuweisen: Punicalagin, Pedunculagin, Punicalin, Gallagic acid, Ellagic acid, Glucoseester, Anthocyane, Delphinidin-3-glucoside, Cyanidin-3-glucoside, Delphinidin-3,5-diglucoside, Cyanidin-3,5-diglucoside,… uvm.. Einige der genannten Stoffe haben relativ große und komplexe Molekülstrukturen. In einem Rundumschalg zu behaupten, dass all‘ diese auch in “tiefe Hautschichten” vordringen, wage ich zu bezweifeln. Schade, dass viele (Online-)Magazine die Kirche einfach nicht in Dorf lassen können und dazu neigen, übertriebene Claims ausrufen.

Dreamteam

Granatapfelextrakt lässt sich im Grunde vielerlei kombinieren. Je nach Anwendung und Indikation, kann es in z.B. in feuchtigkeitsspendenden und hautberuhigenden Produkten zusammen mit Panthenol und Hyaluronsäure formuliert werden. Aber auch in pflegenden und reichhaltigen Formulierungen macht das Granatapfelextrakt zusammen mit Pfanzenölen oder Pflanzenbuttern eine gute Figur.

Good to know

Im Vergleich zu den gängigen Antioxidantien wie Vitamin E, beta-Carotin, Vitamin C, Resveratrol und Green Tea Extract, liegt Granatapfelextrakt mit seiner antioxidativen Eigenschaft deutlich vorne. Vor allem der hohe Gehalt diverser Polyphenole und Anthocyane ist eine so in der Natur einzigartig vorkommende Kombination, welche das Granatapfelextrakt zu einem potenten und überlegenen Antioxidans macht [1, 2].

In der traditionellen Medizin spielt der Granatapfel schon seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle und auch die moderne Schulmedizin hat das Potential des Granatapfels inzwischen erkannt. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Granatapfel sowie dessen Bestandteile verschiedene Signalwege im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen, zellulärer Transformation, übermäßigem Zellwachstum, Gefäßbildung und Initiierung von Tumorentstehung beeinflussen können [3, 4].

Ein kürzlich veröffetlichtes Review diskutiert im Detail verschiedene Studien, die die chemoprotektiven bzw. chemotherapeutischen Eigenschaften des Granatapfels im Bezug auf verschiedene Krebserkrankungen wie z.B. Brust-, Haut-, Darm- und Lungenkrebs. Letztlich ist es aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vollständig verstanden, welche Komponenten genau für die entsprechenden chemoprotektiven Eigenschaften verantwortlich sind. Evidenzbasierte Studien in vivo und in vitro stehen derzeit noch aus [5].

Literaturangaben

[1] Gil et al., Antioxidant activity of pomegranate juice and its relationship with phenolic composition and processing. J. Agric. Food Chem. 2000 Oct;48(10):4581-9.

[2] Aviram et al., Dietary antioxidants and paraoxonases against LDL oxidation and atherosclerosis development. Handb. Exp. Pharmacol. 2005, 170, 263–300.

[3] Khan et al., Cancer chemoprevention through dietary antioxidants: Progress and promise. Antioxid. Redox Signal. 2008, 10, 475–510.

[4] Faria et al., The bioactivity of pomegranate: Impact on health and disease. Crit. Rev. Food Sci. Nutr. 2011, 51, 626–634.

[5] Sharma et al., Pomegranate for Prevention and Treatment of Cancer: An Update. Molecules 2017 Jan 24;22(1).

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