eat | Gesunde Ernährung – gesunder Körper: wie Essen Prävention sein kann

„Willst Du abnehmen oder warum ernährst Du Dich immer so gesund?!“ Wer sich gesund ernährt, darf sich diesen Satz häufig anhören. Kaum einer kann sich vorstellen, dass man das tatsächlich gerne macht und es nicht in erster Linie darum geht, Gewicht zu verlieren. Was viele oft nicht auf dem Schirm haben: eine ausgewogene Ernährung hat viele gesundheitsrelevante Aspekte – das ist eigentlich kein Geheimnis. Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe sind zum Beispiel essentiell für einen gut funktionierenden Stoffwechsel, stärken das Immunsystem und schützen vor oxidativen Schäden. Das haben wir sicher alle schon mal gehört oder irgendwo gelesen, doch habt ihr Euch tatsächlich mal vor Augen geführt, was das im Detail alles bedeuten kann?

Oxidativer Stress schädigt die Architektur und Funktion unserer Zellen [1, 2], kann im extremsten Fall sogar die Krebsentstehung begünstigen. Doch es kein Grund zur Sorge, der Körper weiß sich zu helfen. Zum einen verfügt der menschliche Organismus über spezielle Systeme zur Abwehr der oxidativen Schäden: dies umfasst eine Gruppe spezieller Proteine/ Enzyme, die reaktive Sauerstoffspezies (ROS, Oxidantien) abfangen und neutralisieren. Andererseits können exogen zugeführte Antioxidantien – über die Nahrung aufgenommen – zusätzlich im Körper antioxidative Aktivitäten entfalten. In der Medizin besteht daher schon lange der Ansatz, oxidative Schädigungen durch eine entsprechende Ernährung einzudämmen. Eine wichtige Rolle spielen dabei seit je her diverse Vitamine, Polyphenole, Carotinoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe.

Antioxidantien.png

Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sich herauskristallisiert, dass natürlich vorkommende Polysaccharide ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Prävention oxidativer Schäden spielen [3, 4, 5, 6]. Unter dem Begriff „Polysaccharide“ verbirgt sich nichts anderes als eine Gruppe von Zuckerverbindungen, die sich aus verschiedenen einzelnen Zuckerbausteinen aufbauen. Das bekannteste Beispiel ist z.B. das Polysaccharid Stärke, welches sich aus einzelnen untereinander verknüpften Glukosebausteinen zusammensetzt. Chemisch gesehen gibt es in der Natur unzählige verschiedene Zuckerbausteine. Wenn man diese dann noch untereinander kombiniert und verknüpft, resultiert daraus eine schier unbegrenzte Anzahl von verschiedenen Polysacchariden.

Seit etwa einem Jahrzehnt ist nun auch bekannt, dass einige Polysaccharide neuronale Schäden begrenzen, sowie kognitive und motorische Einschränkungen im Rahmen diverser neurodegenerativer Erkrankungen eindämmen können. Diese neuroprotektiven Mechanismen wirken sich vor allem auf Stoffwechselwege aus, die im Zusammenhang mit oxidativem Stress (z.B. dim Rahmen der Mitochondrienfunktion) und der Proteinaggregation stehen. Die Aggregation, also das Zusammenballen übermäßig produzierter und fehlgefalteter Proteine, ist ursächlich für die Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington.

Wer glaubt, dass man jetzt also nur ordentlich Zucker oder vielleicht sogar Kartoffeln essen muss, um die Gefahr der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen abwenden zu können, ist auf dem Holzweg. Ganz so einfach ist es nicht, denn es geht nicht um irgendwelche, sondern ganz spezielle Polysaccharide. Ein aktuelles  Review [7] fasst die Erkenntnisse aus fast 50 Einzelpublikationen zusammen und listet antioxidativ wirksame Polysaccharide mit gleichzeitig anti-neurodegenerativen Aktivitäten.

Folgende Lebensmittelgruppen (bzw. entsprechende Vertreter daraus) mit antioxidativen und potentiell neuroprotektiven Eigenschaften werden dabei genannt:

Gemüse

  • Möhren
  • Kürbis
  • Kartoffeln
  • Gänsefingerkraut
  • Guave

Obst

  • Apfel
  • Wassermelone
  • Kaki

Getreide, Cerealien und Hülsenfrüchte

  • Reis
  • Reiskleie
  • Weizenkleie
  • Kichererbsen
  • Sojabohnen

Gewürze (häufig gebräuchlich in der traditionell chinesischen Medizin)

Andere Pflanzen

Tee

Grüner Tee_Antioxidantien.jpg

Einige der genannten Lebensmittel und Gewürze verzehren wir tatsächlich öfter auch mal im Alltag. Andere hingegen sind richtige Exoten und finden vor allem in der traditionell chinesischen Medizin Einsatz, wo sie unter anderem für ihre antientzündlichen Wirkungen bekannt sind.

Es ist wichtig zu verstehen, dass oxidativer Stress und chronische Entzündungen zwei miteinander verknüpfte pathologische Prozesse bei neurodegenerativen Erkrankungen sind. Daher scheint es nur logisch antioxidative und antientzündliche Strategien bei der Prävention dieser Erkrankungen anzuwenden. Folglich spielen dabei auch vermehrt antioxidative Polysaccharide aus Nahrungsmitteln eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung des neuronalen Schadens, sowie zur Verbesserung kognitiver und motorischer Funktionen diverser neurodegenerativer Erkrankungen. Aktuell wird mehr und mehr klar, welches Potential in dieser Hinsicht vor allem terrestrische Pflanzen und Pilze, sowie marine Organismen haben. Diese verfügen mitunter nämlich über reiche Ressourcen bioaktiv wirksamer Polysaccharide. Gegenstand aktueller Forschungen bleibt es herauszufinden, in welcher Form man am besten von den Effekten dieser wirksamen Polysaccharide profitiert. Wieviel der entsprechenden Lebensmittel muss man zu sich nehmen und über welchen Zeitraum? Gilt es grundsätzlich die Ernährungsweise zu ändern oder kann man eventuell sogar über Supplemente nachdenken?

Das alles sind Denkansätze, die es noch zu beantworten gilt, jedoch ist klar dass die Ernährung entscheidend dazu beiträgt, die körperliche Gesundheit aufrecht zu erhalten. Anhand des hier aufgezeigten Beispiels, lässt sich vielleicht erahnen, wie weitreichend der Effekt einer guten Ernährungsweise tatsächlich sein kann.

Kaki_Gesund

Literaturangaben

[1] McCord, The evolution of free radicals and oxidative stress. Am J Med. 2000;108(8):652-9.

[2] Reczec and Chandel, ROS-dependent signal transduction. Curr Opin Cell Biol. 2015;33:8-13.

[3] Wang et al., An overview on natural polysaccharides with antioxidant properties. Curr Med Chem. 2013;20(23):2899-913.

[4] Mei et al., The antioxidant activities of polysaccharides and their derivatives. Curr Drug Targets. 2017 Jan 23.

[5] Wang et al., Reviews on mechanisms of in vitro antioxidant activity of polysaccharides. Oxid Med Cell Longev. 2016;2016:5692852.

[6] Wang et al., Review on cell models to evaluate the potential antioxidant activity of polysaccharides. Food Funct. 2017 Mar 22;8(3):915-926.

[7] Li et al., Food-Derived Antioxidant Polysaccharides and Their Pharmacological Potential in Neurodegenerative Diseases. Nutrients. 2017 Jul 19;9(7).

eat | all the healthy stuff

 

9 Gedanken zu “eat | Gesunde Ernährung – gesunder Körper: wie Essen Prävention sein kann

  1. Wichtig wäre noch zu wissen, in welcher Konzentration sind dann die antioxidativen und potentiell neuroprotektiven Eigenschaften in den Lebensmitteln vorhanden? Sind in 100 g Möhren das gleiche drin wie in 100 Kartoffeln oder in welchem Zustand gilt das Ganze? Als Rohkost, oder auch wenn man es brät, dünstet etc.?

    Polysaccharide vertragen viele Menschen aber auch nicht. Gerade Menschen mit Reizdarm sollten auf Polysaccharide eher verzichten. Da kommt die Fodmap Ernährung in Deutschland so langsam in Mode.

    Das ganze ist wie bei der Gesichtspflege zu sehen, dem einen bekommt es, den anderen nicht.

    LG von der Ostsee

    Sebastian 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Sebastian,

      definitiv – da gebe ich Dir recht! Angaben zu Konzentrationen wären in der Tat sinnvoll, das hatte ich im Artikel ja auch angedeutet, dass hier mehr Informationen geliefert werden müssen. Ich vermute, das ist Gegenstand aktueller Studien, dies im Detail zu ermitteln.

      Ich gehe schwer davon aus, dass unterschiedliche Lebensmittel auch unterschiedliche Polysaccharide enthalten 😉 also 100g Möhren und 100g Kartoffeln werden zum einen sicher unterschiedliche Konzentrationen der jeweiligen Polysaccharide enthalten und zum anderen auch unterschiedliche Polysaccharide an sich.

      Ganz richtig, nicht alle vertragen jedes Polysaccharid, aber da geht es vor allem auch um die Polysaccharide, die wir tendentiell in hohen Konzentrationen zu uns nehmen, wie eben Stärke oder das Dissacharid Sucrose. Diese potentiell präventiven Polysaccharide um die es im Artikel geht, sollen wohl bereits in niedrigen Konzentrationen wirksam sein. Aber wie gesagt… hier braucht es intensivere Forschung. Quintessenz dieses Artikels: unser Essverhalten kann unsere Gesundheit beeinflussen – quasi einfach mal einen weiteren Aspekt benennen, weshalb es so essentiell ist, auch bei der Ernährung nicht Stopp zu machen, wenn man gesund bleiben will.

      Alles in Allem würde ich sagen: #balanceisthekey 🙂

      Liebste Grüße zurück aus München,
      Sarah

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    • Hehe, immer gerne! Danke Dir fürs Vorbeischauen 🙂
      Reis liebe ich ja total – ist auch so abwechslungsreich mit den verschiedenen Sorten, die man zur Auswahl hat. Gerade für Wild- und Vollkornreis könnte ich sterben *yummie*

      Liebste Grüße,
      Sarah

      PS: Dein Kommentar ist in zweierlei Hinsicht toll, denn jetzt fällt mir wieder ein, dass ich doch unbedingt noch deinen Artikel bei Magi lesen wollte!!

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  2. Wie spannend! Von den geeundheitlichen Vorteilen der Polysaccharide wusste ich noch gar nicht.
    Sonst achte ich aber schon auf eine gesunde, antioxidantienreiche Ernährung. Die dummen Sprüche, wenn man sich im Restaurant einen Salat bestellt, das man doch gar nicht annehmen muss, kenne ich daher auch. Als ob man als normalgewichtiger Mensch verpflichtet wäre, sich von Fastfood zu ernähren und erst wieder auf gesundes Essen umsteigen darf, wenn man sich genug überflüssige Kilos angefuttert hat… 😉

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  3. Von gesunden Polysacchariden höre ich heute auch zum ersten Mal. Überraschenderweise beinhaltet meine Ernährung tatsächlich einige der aufgezählten Lebensmittel, da tue ich meinem Körper wohl unbewusst etwas gutes.

    Ich hätte mal eine Anregung für ein anderes Thema der Kategorie „eat“. Man hört immer wieder, dass Kuhmilch für Menschen richtig schlecht sein soll und gerade habe ich auf Youtube erst wieder ein zweiteiliges Video einer Ärztin gesehen, in dem sie vom Konsum von Kuhmilch eindringlich abrät. Jetzt würde mich mal interessieren, ob du dich damit schon mal näher befasst hast. Du verwendest auch Kuhmilch, wenn ich bei Instagram nicht immer falsch hinschaue, und ich persönlich verwende zwar nur wenig Milch im Kaffee, esse dafür allerdings relativ viel Käse. Daher würde mich deine Meinung dazu echt mal interessieren. Vielleicht magst du das Thema ja in Zukunft mal aufgreifen.

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