care | Jetzt mal Klartext, Antioxidantien!

Die einen lassen es ganz beiläufig und selbstverständlich fallen: Antioxidantien hier, AOX-Serum dort und überhaupt – eine Pflegeroutine ohne Antioxidantien, nicht auszudenken!! Für andere lässt das Wort Antioxidantien eher dunkle Erinnerungen an den längst verdrängten Chemieunterricht aufkommen. Was verbirgt sich eigentlich hinter dieser ominösen Formulierung und weshalb sollte man es unbedingt in seine Hautpflege integrieren? Diesen Fragen gehen wir heute im Detail nach: jetzt mal Klartext, Antioxidantien!

Jeder von uns wir früher oder später Falten bekommen. Ich sage das völlig wertfrei, denn das ist zunächst einmal ein normaler physiologischer Prozess. Aber mal ganz unabhängig davon, wie wir selbst dazu stehen – embrace aging oder forever young – die Entstehung von Falten lässt sich biochemisch gesehen oft auf einen bestimmten Mechanismus zurück führen: freie (Sauerstoff-)Radikale schädigen die bestehenden Zellstrukturen – z.B. auch unsere Zellmembranen, schränken die Funktionsfähigkeit wichtiger Proteine ein oder beeinflussen Stoffwechselvorgänge (beispielsweise die Regeneration und die Fähigkeit zur Selbstreparatur). All‘ diese Einschränkungen können letztendlich dazu führen, dass Strukturen, die unsere Haut elastisch, straff und faltenfrei halten, angegriffen und beschädigt werden – kurzum Falten entstehen.

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Was sind freie Radikale?

Freie Radikale (Oxidantien) bezeichnet eine Gruppe von Atomen oder Molekülen, die sich durch ihre Reaktionsfreudigkeit und relative Instabilität auszeichnen. Das bedeutet, dass sie im Grunde immer auf der Suche nach einem Reaktionspartner sind, um diesen instabilen Zustand zu verlassen. Im Idealfall treffen sie auf Verbindungen und Moleküle, die der Körper eigens dafür bildet, freie Radikale abzufangen und unschädlich zu machen (Antioxidantien). Ist dies der Fall, geht von freien Radikalen erst mal keine größere Gefahr aus.

Woher stammen freie Radikale?

Zunächst einmal tauchen freie Radikale in unserem Körper auf, sie entstehen intrinsisch fortwährend als Nebenprodukte unseres Stoffwechsels, z.B. bei der Energiegewinnung und Zellatmung. Der menschliche Organismus verbrennt täglich etwa 250g Sauerstoff wovon etwa 2-5% in reaktive Sauerstoffspezies umgewandelt werden:

  • Singulettsauerstoff
  • Wasserstoffperoxid
  • Superoxidanion
  • Hydroxylradikal

Die oben genannten Sauerstoffradikale zeichnen sich dadurch aus, dass sie allesamt eine höhere Reaktivität aufweisen als molekularer Sauerstoff. Während diese im Zusammenhang mit der Sauerstoffverbrennung gebildeten Radikale tagtäglich anfallen, geht die größte Belastung für unseren Organismus letztendlich auf die reaktiven Sauerstoffspezies zurück, die durch extrinsische Reize gebildet werden. Allen voran UV-Strahlung [1, 2], aber auch Rauchen [3, 4], Infrarotstrahlung, Luftverschmutzung oder Alkohol.

Sauerstoff.jpg

Weshalb freie Radikale schädlich sind

Produziert unser Körper – z.B. in Reaktion auf extrinsische Reize – zu viele freie Radikale, können diese schädlich sein. Denn ist kein entsprechender Gegenspieler, also kein Antioxidans, in der Nähe oder in ausreichender Konzentration vorhanden, sucht sich das freie Radikal einen beliebigen anderen Reaktionspartner – und das kann dann zum Problem werden. Anstatt das freie Radikal kontrolliert zu entschärfen, kommt es jetzt zu relativ unvorhersehbaren Aktionen. Es wird einfach mit dem nächst besten Molekül reagiert, ob dieses nun will oder nicht. Oft ist dieses willkürlich ausgewählte Molekül aber im Gegensatz zu Antioxidantien einfach nicht dafür ausgelegt und eine Schädigung oder Veränderung der Molekülstruktur ist die Folge. Auf diese Art veränderte Moleküle verlieren oftmals ihre Wirksamkeit, können ihre eigentlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen und werden über kurz oder lang abgebaut. Antioxidantien als Schutzmaßnahme vor freien Radikalen sind also essentiell um Proteine, Fette, DNA und andere Zellstrukturen zu schützen.

Antioxidantien im Einsatz gegen freie Radikale

Unsere Haut ist bekanntermaßen eine Schutzbarriere: sie verhindert das Eindringen von Krankheitserregern und Schmutz, schützt vor Wasserverlust  und  sorgt dafür, dass die Zellintegrität aufrecht erhalten wird. Aber abgesehen von diesen physikalischen Barrieren und Schutzmechanismen, gibt es auch auf biochemischer Ebene so einige hilfreiche Player. So verfügt unsere Haut über eine Vielzahl enzymatischer und nicht-enzymatischer Antioxidantien, die fester Bestandteil des Abwehrsystems gegenüber freien Radikalen sind. Sie dienen der Prävention und unterstützen die Reparaturmechanismen bei bereits eingetretenen oxidativen Schädigungen. Grob kann man diese hauteigenen Antioxidantien in zwei Kategorien einteilen:

1. Enzymatische Antioxidantien (spezifische Proteine)

  • Glutathionreduktase
  • Glutathionperoxidasen
  • Superoxiddismutasen
  • Katalasen
  • Thioredoxinreduktase
  • Glucose-6-Phosphatdehydrogenase

2. Kleinmolekulare Antioxidantien

Lipohile/fettlösliche Antioxidatien

  • beta-Carotin (Provitamin A)
  • Vitamin E und seine Derivate
  • Geteilte Meinungen bestehen zu Vitamin A und seinen Derivaten. Manche stufen es als Antioxidans ein, andere klammern es aus.
  • Fettsäureamide

Hydrophile/wasserlösliche Antioxidantien:

  • Vitamin C und seine Derivate
  • Vitamine der B-Gruppe, z.B. Niacinamid
  • Ubichinol/Ubichinon
  • Harnstoff
  • verschiedene Polyphenole
  • Ferulasäure
  • Saccharide
  • Gallate (Fettsäureester der Gallsäure)
  • Resveratrol
  • Grünteeextrakt
  • Granatapfelextrakt

Antioxidantien.jpg

Warum die topische Verwendung von Antioxidantien Sinn macht

Solange wir jung sind, produziert unser Körper noch aus eigener Kraft ausreichend hohe Mengen an Antioxidantien. Doch wie viele andere biologische Prozesse auch, verliert gerade die Biosyntheserate der enzymatischen Antioxidantien mit dem Alter physiologischer Weise an Fahrt [5]. Aber auch die kleinmolekularen Antioxidantien sind nicht ganz unproblematisch, da es sich überwiegend um essentielle Vitamine handelt, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Sie müssen also über die Nahrung aufgenommen werden oder topisch/über die Haut zugeführt werden, wenn die Haut von ihrer Pflegewirkung profitieren soll.

Die Entstehung freier Radikale lässt sich teilweise eingrenzen

Antioxidantien schützen vor freien Radikalen, schön und gut. Aber was kann man noch unternehmen, damit die kleinen Quälgeister keine Chance haben? Im Grunde hat man zwei Optionen, die man im besten Falle auch noch kombiniert:

  1. Achte auf Deinen Lebensstil: gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Zeit für Regeneration, Finger möglichst weg vom Rauchen und Alkohol. Dazu muss ich wohl niemandem etwas erzählen – oft genug gehört und vermutlich hat’s auch jeder schon das ein oder andere Mal gekonnt ignoriert.
  2. Optimiere Deine Hautpflege: tägliche Verwendung eines Sonnenschutzes und eine Hautpflege, die reich an Antioxidantien ist.

Was können Antioxidantien in der Hautpflege?

  • Wirken überwiegend prophylaktisch und präventiv, können im gewissen Rahmen aber auch bestehende Hautschäden lindern.
  • Vitamin C, Vitamin E, Niacinamid, Coenzym Q10, Melatonin und verschiedene Pflanzenwirkstoffe können bei topischer Anwendung und unter der Vorraussetzung, dass die Formulierung stabil ist, über die Haut ausreichend gut absorbiert werden. Die Absorption über die Haut gilt für diese Antioxidantien als ausreichend effektiv, sodass wirksame Konzenrationen erreicht werden können, die vor UV-Strahlung und Hautalterung schützen.
  • Unterstützen den Kollagenstoffwechsel und schützen vor Kollagenabbau – somit wird die Elastizität und Spannkraft der Haut bewahrt, der Alterungsprozess wird verlangsamt.
  • Aufrechterehaltung der Zellfunktion und somit der physiologischen Aufgaben unserer Zellen.
  • Lindern Schäden, die durch UV-Strahlung entstanden sind. So kann Vitamin C beispielsweise Pigmentverschiebungen und Hyperpigmentierungen ausgleichen und mildern.

Was können Antioxidantien nicht?

Oft liest man, Antioxidantien wirken gegen Falten. Ich wäre mit solchen Aussagen vorsichtig und würde das immer differenziert betrachten. Wer bewusst zu einer Pflege greift, die Antioxidantien enthält wird grundsätzlich erst mal nichts falsch machen, denn Antioxidantien haben eine präventive Wirkung vor Hautalterung. Bereits bestehende Hautschäden, können in einem gewissen Rahmen gemildert werden, ganz los wird man sie aber nicht. Dennoch berichten viele immer wieder, dass Falten bzw. eher leichte Fältchen, durch die Verwendung eines Pflegeproduktes mit Antioxidantien verschwunden sind.  In Wahrheit ist es aber oft schwer, die Wirkung der antioxidativen Inhaltsstoffe von denen der meist zusätzlich beigefügten Moisturizer, Exfolianzien oder Okklusiva zu trennen. Denn alle der drei letztgenannten können Fältchen, die im Grunde auf einem Feuchtigkeitsmangel des Stratum Corneums basieren, innerhalb kurzer Zeit deutlich bessern. Für eine wirkliche Verbesserung der Kollagensynthese, muss man jedoch deutlich mehr Zeit mitbringen und die Verwendung von Antioxidantien vielleicht auch eher als Präventivmaßnahme sehen.

Achtung vor diesen Antioxidantien

Antioxidantien werden nicht nur zum Schutz der Haut vor freien Radikalen eingesetzt, sondern auch zum Schutz kosmetischer Zubereitungen. Denn auch die Inhaltsstoffe in Cremes, Seren und Co. können durch Radikale angegriffen und so unwirksam werden. Um das zu vermeiden setzen viele Hersteller auf Verpackungen, die Sauerstoff und UV-Strahlung ausschließen – Airless-Spender statt Tiegel und lichtundurchlässige Behältnisse, statt klarer und farbloser Glasfläschchen. Alternativ können auch chemische Antioxidantien verwendet werden, die in den jeweils eingesetzten Konzentrationen weniger die Haut vor Oxidation schützen sollen, sondern vielmehr die Formulierung stabilisieren. Das ist alles sehr praktisch, denn wer will schon eine Creme verwenden, deren aktive Inhaltsstoffe unwirksam sind. Finden sich Vitamin C und Vitamin weit hinten auf der Inhaltsstoffliste, so kann man davon ausgehen, dass sie weniger die Haut, als vielmehr die Formulierung vor oxidativen Schäden schützen.

Doch es gibt auch andere Antioxidantien, die recht eindeutig nur zum Schutz der Formulierungen eingesetzt werden. Jedoch sind einige dieser Inhaltsstoffe bekannte Kontaktallergene. Wer also sensible Haut hat, sollte folgende Antioxidantien auf dem Schirm haben:

  • Butylhydroxyanisol (BHA)
  • Butylhydroxytoluen (BHT)
  • Hydrochinonmonomethylester
  • bedingt: Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA)

–––

Tja, und kaum hab ich mich versehen, sind über 3000 Wörter geschrieben und die Hälfte der Leser wäre vermutlich längst ausgestiegen, hätte ich hier nicht nachträglich einen Break gemacht. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, die Artikel schneller auf den Punkt kommen zu lassen. Aber letztendlich verliere ich mich doch hin und wieder in einem geschriebenen Redefluss^^.

Deshalb habe ich den Post kurzerhand geteilt. Doch kein Grund zur Sorge, es geht weiter und ist auch noch eine gute Nachricht für diejenigen, die sich in der Vergangenheit mehr Produkterwähnungen gewünscht haben. Denn mit dem zweiten Teil dieses Posts folgt in wenigen Tagen der praktische und angewandte Teil, in dem ich eine Auswahl an Produkten vorstelle, die mit Antioxidantien wahrlich nicht sparen.

Wenn Euch diese Aufteilung in Posts mit theoretischen Hintergründen und in der Folge dan Posts mit praktischer Anwendung gefällt, hinterlasst mir gerne ein kurzes Feedback dazu! Für mich wäre dies für die Zukunft nämlich eine praktikable Möglichkeit, wie ich Posts zu Hintergrundthemen weiterhin frei von Produktempfehlungen halten könnte. Gleichzeitig kämen die, die sich nur für die Produkte interessieren nicht zu kurz und müssen sich nicht durch einen Wust an wissenschaftlich ausgeführten Szenarien wühlen.

care | ziemlich radikal, diese Antioxidantien 

Edit: lies hier Teil 2 der Antioxidantienreihe.

 

Literaturangaben

[1] Brenneisen P et al. Central role of Ferrous/Ferric iron in the ultraviolet B irradiation-mediated signaling pathway leading to increased interstitial collagenase (matrix-degrading metalloprotease (MMP)-1) and stromelysin-1 (MMP-3) mRNA levels in cultured human dermal fibroblasts. J Biol Chem. 1998 Feb 27;273(9):5279-87.

[2] Fischer GJ et al., Pathophysiology of premature skin aging induced by ultraviolet light. N Engl J Med. 1997 Nov 13;337(20):1419-28.

[3] Frances C, Smoker’s wrinkles: epidemiological and pathogenic considerations. Clin Dermatol. 1998 Sep-Oct;16(5):565-70.

[4] Lahmann C et al., Matrix metalloproteinase-1 and skin ageing in smokers. Lancet. 2001 Mar 24;357(9260):935-6.

[5] Rhie G et al., Aging- and Photoaging-dependent changes of enzymatic and nonenzymatic antioxidants in the epidermis and dermis of human skin in vivo. J Invest dermatol 118:1212-1217.

 

 

 

14 Gedanken zu “care | Jetzt mal Klartext, Antioxidantien!

    • Hallo Vera,

      danke fürs Vorbeischauen und dass Du Dir die Zeit genommen hast, mir ein Feedback da zu lassen!! 🙂 Das ist sehr hilfreich für mich und ich hoffe, Dir wird auch der 2. Teil gefallen.

      Liebste Grüße,
      Sarah

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    • Hallo Birte,

      klasse und vielen Dank, dass Du mir ein feedback hast zukommen lassen!! Das ist immer sehr hilfreich, denn so bekommt man auch ein Gefühl dafür, ob das was man da so fabriziert überhaupt sinnvoll und hilfreich für Euch als Leser ist 🙂

      Liebste Grüße und hab noch einen schönen Tag,
      Sarah

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    • Hallo liebe Petra,

      mensch, das freut mich jetzt sehr, dass Du mir auch eine Rückmeldung gegeben hast!! Wenn einem etwas zurück gespielt wird, macht es das ganze doch sehr viel weniger zur Einbahnstraße 😉
      Hoffe, dass Dir Teil 2 auch noch etwas an Informationen liefern wird!

      Liebste Grüße,
      Sarah

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  1. Pingback: care | Die besten Pflegeprodukte mit Antioxidantien |

  2. Hallo Sarah! Was für ein toller Artikel, Danke! So genau habe ich das mit den Antioxidantien noch nie erklärt bekommen. WIrklich toll, wie informativ und vielschichtig du alles geschreiben hast! Herzlichen Dank!!
    Liebe Grüße, ELisabeth

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  3. Hallo,
    ich finde die Aufteilung in einen wissenschaftlichen Teil, mit den entsprechenden Hintergründen im ersten Teil und den entsprechenden Produkten in einem zweiten Teil sehr gut, so kann man das sehr gut splitten, wenn man das möchte.
    Generell gefallen mir die wissenschaftlich sehr detailierten Artikel sehr gut und ich habe kein Problem mit den 3000 Wörtern 😉
    Beste Grüße

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