care | INCI-Wiki (44): Dihydroxyacetone

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Es geht auf den Sommer zu – endlich! Das merkt man nicht nur daran, dass die Temperaturen milder werden oder die Kleidung leichter, sondern auch daran, dass man nun wieder mehr Haut sieht, die den Winter über gut verpackt war. Als Konsequenz dessen ist diese bei vielen von uns entsprechend blass. Ein Zustand, den manche schnellstens ändern wollen und so wird sich vielerorts in die Sonne geparkt, sobald ein paar Strahlen hervorblitzen. Die Intention: zügig braun werden, auch wenn es dafür einen Sonnenbrand in Kauf zu nehmen gilt. Ich werde ja nicht müde zu sagen – und vermutlich hängt es allen schon zu den Ohren raus – but why tho‘?!

Ist doch paradox: auf der einen Seite Geld für Hautpflegeprodukte ausgeben, kein Thema! Schließlich sollen Falten keine Chance haben, die Haut soll zudem gesund und prall wirken. Auf der anderen Seite ist das aber doch alles zum Fenster hinausgeschmissenes Geld, wenn man das eigentlich wichtigste Produkt gegen Hautalterung letztlich aus der Rechnung komplett rauslässt: einen UV-Schutz.

Aber gut, nur meine zweidreivier Gedanken zu diesem Thema. Worum es heute eigentlich gehen soll, ist eine hautschonendere Methode bzw. einen Inhaltsstoff, mit dem man seiner Haut einen sonnengeküssten Ton geben kann, ganz ohne dass man sie unnötig mit UV-Strahlung schädigt. Es geht um einen der Stoffe, der in vielen Selbstbräunern enthalten ist.

Kategorie

Selbstbräuner

Chemische Bezeichnung

1,3-Dihydroxyacetone

INCI und alternative Namen

Dihydroxyacetone (INCI), DHA, 1,3-Dihydroxy-2-propanone, Glyceron, Propan-1,3-diol-2-on, 1,3-Dihydroxypropan-2-on.

Wirkung

Reagiert mit Proteinen und Aminosäuren der Hornschicht unserer Haut. Im Rahmen dieser Reaktion entstehen sogenannte Melanoide: Stoffe, die für die Braunfärbung der Haut verantwortlich sind.

Einsatzkonzentration

Moderne Selbstbräuner enthalten in der Regel 2-5% Dihydroxyacetone.

Formulierung

Dihydroxyacetone ist ein weißer Feststoff, der sich leicht in Wasser lösen lässt. Es hat einen charakteristischen Duft und schmeckt süßlich, denn chemisch gesehen gehört DHA in die Gruppe der Zucker/Monosaccharide (wobei das nicht 100% stimmt, denn DHA fehlt das Stereozentrum *nerdytime*).

Good to know

DHA nimmt im Rahmen des Kohlenhydratmetabolismus eine wichtige Funktion ein, denn es agiert als wichtiges Stoffwechselpodukt der Glycolyse (Glucoseabbau). Somit ist DHA für uns zunächst nicht schädlich. Im Gegenteil, es ist überlebensnotwendig, denn ohne DHA kein Glucoseabbau und damit kein Energiegewinn.

Was jedoch durchaus problematisch sein kann: DHA zersetzt sich unter Wärmeeinwirkung oder auch wenn das DHA-haltige Produkt nach dem Öffnen altert, zu Formaldehyd. Zwar entsteht auch Formaldehyd immer wieder in körpereigenen Prozessen, dennoch gilt Formaldehyd als krebserregend, weshalb man es also tunlichst vermeiden sollte, sich das auch noch exogen zuzuführen. Trotzdem sind Selbstbräuner aus heutiger Sicht für die Haut als sicher zu betrachten, sofern man einige Hinweise beachtet:

  • Produkt innerhalb von ca. 3 Monaten nach dem Öffnen verbrauchen
  • Riecht das Produkt stechend oder zu scharf, lieber nicht mehr anwenden: der Geruch könnte auf Formaldehyd hinweisen
  • Kühl, dunkel und trocken lagern

Dreamteam

Neben der Entwicklung von Formaldehyd haben Selbstbräuner mit DHA theoretisch noch ein weiteres Problem: DHA kann unter UV-Einstrahlung mit der Produktion von freien Radikalen reagieren [1 – wobei mir diese Publikation fast schon zu alt ist]. Wie wir alle spätestens seit dem Post über Antioxidantien wissen: freie Radikale ain’t no good. Doch ich habe gesagt „theoretisch“, das will ich gerne erläutern. Zunächst einmal wird sich keiner 24/7 mit Selbstbräuner eincremen. Viel eher verwendet man solche Produkte von Zeit zu Zeit, aber eben auch nicht täglich. Ein weiterer Punkt: keiner wird sich mit einer solchen Creme auf der Haut direkt erstmal für 3h in die pralle Sonnen legen (hoffe ich jedenfalls^^). Und zu guter Letzt: verwendet man gleichzeitig Produkte mit Antioxidantien, lässt sich dieses Problem doch recht gut eindämmen, zumal DHA nicht zu tief in die Haut eindringt – wir erinnern uns: DHA reagiert lediglich mit den abgestorbenen Zellen der Horschicht und nicht mit tiefer liegenden Zellen. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb die Bräune, die man mit einem Selbstbräuner generiert nicht ganz so lange hält wie die Bräunung, die sich über UV-Strahlung erzielen lässt.

Insgesamt gelten Selbstbräuner (unter Berücksichtigung der Punkte im vorherigen Abschnitt) heutzutage als sicher und gut verträglich. Die meisten Hersteller coformulieren zudem ganz selbstverständlich Antioxidantien und Feuchthaltemittel/Moisturizer, um einerseits die mögliche Generation von freien Radikalen einzugrenzen und andererseits der austrocknenden Eigenschaft von DHA entgegenzuwirken.

Fun Fact

Wie Ihr sicher wisst, können Diabetiker Glucose – aufgrund fehlenden Insulins bzw. einer Resistenz gegenüber Insulin – nicht abbauen. Daher hatte man in der 1930er Jahren die Idee, Diabetikern DHA als Zuckerausstauschstoff zu verabreichen. Was dabei passierte könnt ihr Euch sicher denken und führte letztendlich dazu, dass DHA bis heute ein beliebter Selbstbräuner ist: die Schleimhäute der Mundhöhle der Probanden färbten sich nach dem Konsum von DHA braun [2].

Literaturangaben

[1] Jung et al., UV-generated free radicals (FR) in skin: their prevention by sunscreens and their induction by self-tanning agents. Spectrochim Acta A Mol Biomol Spectrosc. 2008 May;69(5):1423-8.

[2] Ciriminna et al., Dihydroxyacetone: An Updated Insight into an Important Bioproduct. ChemistryOpen. 2018 Mar 6;7(3):233-236.

care | understanding skincare

5 Gedanken zu “care | INCI-Wiki (44): Dihydroxyacetone

  1. Hallo Sarah,

    ich weiß nicht wie es mit aktuellen Produkten zur Selbstbräunung ist, aber als ich früher mal solche Produkte benutzt hatte, musste man sehr stark auf seine Kleidung drauf achten, da die Selbstbräuner doch gerne abfährten oder, wenn man nicht penibel den Selbstbräuner gleichmäßig verteilt hat, das man dann doch eher fleckig ausgesehen hat. Gerade in den Glitzermagazinen dieser Welt werden ja öfters Selbstbräuner fails der Stars gezeigt und das möchte man sich verständlicherweise dann ja eher nicht antun.

    LG Sebastian

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  2. Hallo Sarah,
    Mal wieder ein super inci wiki Artikel, ich liebe diese Serie ja!

    Auf meiner hellen Haut finde ich Selbstbräuner immer etwas schwierig, es wird schnell ungleichmäßig oder zu orange. Was aber gut funktioniert sind Selbstbräuner, die nicht nur DHA, sondern auch Erythrulose enthalten. Ergibt einen harmonischeren Farbton bei heller Haut.

    Wegen der freien Radikale mache ich mir nicht all zu viel Sorgen, da ich Selbstbräuner sowieso nur abends verwende, also nicht damit in die Sonne gehe. Und besser als sonnenbaden ist es sowieso 🙂

    Formaldehyd klingt aber nicht so toll… Das soll ja auch in einigen Konservierungsstoffen enthalten sein, die nach der Parabene Panikmache wieder vermehrt eingesetzt werden. Wie handhabst du das eigentlich? Meldest du solche formaldehydhaltigen Stoffe?

    Liebe Grüße
    Lizzy

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Lizzy,

      jetzt also auch noch die Antwort auf das Kommentar hier unter dem neuen INCI-Wiki 🙂

      Danke für Deinen Einwurf mit der Erythrulose. Das habe ich tatsächlich schon fest auf dem Schirm, denn das nächste INCI-Wiki wird sich diesem Artikel direkt anschließen, wenn es eben um Erythrulose gehen soll *staytuned*

      Um ehrlich zu sein, meide ich Produkte mit Formaldehyd nicht bewusst. Vielmehr sind die meisten meiner verwendeten Produkte ohnehin schon entsprechend reizarm formuliert. Tatsächlich müsste ich da dann schon mal ganz genau hinschauen, ob sich nicht doch irgendwo Formaldehyd eingeschummelt hat.

      Liebe Grüße und einen schönen Start in die kurze Woche,
      Sarah

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  3. Hallo Sarah!
    Das ist nach wie vor meine Lieblingsserie von dir. Und am besten ist der Fun Fact, sowas finde ich in allen Bereichen immer gut. Blöderweise sind das die Fakten, die ich mir am besten merken kann. Das war schon zu Unizeiten so… 😉 DHA klappt bei mir nicht so gut, ich sehe immer aus wie ein Streifenhörnchen. Im Gesicht traue ich mich wegen meiner Akne lieber nicht.
    Übrigens (auch eine Art Fun Fact): In einer Fernsehzeitschrift ist diese Woche ein Artikel mit der Überschrift „Biochemie: Das kleine ABC der Schüßler-Salze“. Ich habe unfähr 10 Minuten lang gelacht.
    Liebe Grüße,
    Verena

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Verena,

      haha, irre oder?! Je schräger die Eselbrücken, desto besser behält man es im Gedächtnis. Das ist wohl auch der Grund, dass ich bis heute das PSE auswenig aufsagen kann 😀 *unnützeswissen*

      Du sprichst einen guten Punkt an und deshalb wird das nächste INCI-Wiki vermutlich auch das über Erythrulose sein, das soll im Gegensatz zu DHA nicht gaz so sehr der Streifenhörnchen-Look machen.

      Über den Titel des Artikels in der Fernsehzeitschrift konnte ich mich eben auch ganz gut beömmeln – danke fürs teilen, so beginnt der Tag doch schon mal mit einem herzlichen Lachen… und dem Knallen meines Kopfes auf die Tischkante^^

      Freue mich jedes Mal, wenn Du hier vorbeischaust, liebe Verena!!! Hoffe, Dir geht es gut und Du hast einen schönen Start in die kurze Woche.

      Bis bald wieder und viele Grüße,
      Sarah

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