care | Skincare Lesson (1): Muss die Haut atmen?

Angekündigt wurde diese neue Blogreihe bereits vor einigen Wochen und Euer Feedback war toll – danke dafür! Nun habe ich seither eine Liste an Themen gepflegt, auf die nahezu täglich neue Ideen wandern… nur schreiben müsste man die Artikel noch. Viel zu lange habe ich Euch warten lassen, deshalb gibt es heute endlich ganz offiziell den ersten Artikel der Skincare Lesson Reihe zu einem Thema, das immer Grund für Diskussionen ist und das endlich Aufkärung verdient.

Ein besonders beliebtes Stilmittel, Verbraucher von Pflegeprodukten zu überzeugen, ist damit zu werben, dass Produkt xy „die Haut atmen lässt“. Diese Aussage wurde in der Vergangenheit mit einer derartigen Überzeugung wieder und wieder in verschiedenen Ausführungen dargeboten, dass es selbst den Verbrauchern in Mark und Bein übergegangen ist. Da wird um bestimmte Inhaltsstoffe gängiger Primer, Seren oder Feuchtigkeitscremes ein Bogen geschlagen und auch (silikonhaltiges) Make Up hat oftmals einen schlechten Ruf. Verstopft alles die Poren und verhindert, dass die Haut atmen kann! Wir gehen der Sache auf den Grund: muss unsere Haut atmen?

Um es ganz kurz zu machen und den Spannungsbogen direkt zu entladen: Nein – zumindest nicht im vergleichbaren Sinne, wie wir über das Atmen unseren Körper mit Sauerstoff versorgen. Ansonsten wären wir nämlich Amphibien, die neben der Lungen- und Kiemenatmung auch Hautatmung betreiben.

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Dennoch kann die Haut durchaus Sauerstoff aus der Umgebung aufnehmen. So wird der Sauerstoffbedarf der obersten Hautschicht (0,25–0,40 mm) hauptsächlich aus dem Luftsauerstoff gedeckt, jedoch nicht durch Atmung über die Poren sondern durch direkte Diffusion über die Haut [1]. Hierbei muss die Haut dem Sauerstoff übrigens nicht direkt ausgesetzt werden, es diffundiert auch durch Schichten von Pflegestoffen oder aufgetragenes Make Up – selbst wenn man sich sehr stark schminken sollte oder dick Vaseline aufträgt. Die Tatsache, dass Sauerstoff auf der Umgebungsluft die Haut bis in eine gewisse Tiefe durchaus erreicht [2], hat man sich übrigens auch in der Wundversorgung zu nutzen gemacht: so scheinen mit Sauerstoff behandelte Hautverletzungen eine schnellere und bessere Wundheilung aufzuweisen [3].

Auch wenn wir jetzt wissen, dass verstopfte Poren die Haut nicht von der Sauerstoffversorgung abschneiden, ist es nicht verkehrt die Haut abends gründlich zu reinigen. Denn Pflegestoffe oder Make Up, die sich über den Tag hinweg mit Staub- oder Schnutzpartikeln verbinden, durch den Einfluss von Sonnenstrahlung eventuell oxidieren und sich auf der Haut ablagern, können durchaus zu verstopften Poren führen. Das wiederum hindert die Haut zwar nicht an der Sauerstoffaufnahme, kann aber zu Entzündungen, Unreinheiten, Mitessern oder auch Akne führen.

Hast Du Feedback zu diesem Artikel oder möchtest Du mehr Informationen darüber, wie du die passende Reinigung für Deinen Hauttyp findest, hinterlasse mir gerne einen Kommentar, dann widmen wir uns diesem Thema in der nächsten Skincare Lesson!

Literaturangaben

[1] Stücker et al., The cutaneous uptake of atmospheric oxygen contributes significantly to the oxygen supply of human dermis and epidermis. J Physiol. 2002 Feb 1;538(Pt 3):985-94.

[2] Roe et al., Topical dissolved oxygen penetrates skin: model and method. J Surg Res. 2010 Mar;159(1):e29-36.

[3] Azimian et al., Transdermal Wound Oxygen Therapy on Pressure Ulcer Healing: A Single-Blind Multi-Center Randomized Controlled Trial. Iran Red Crescent Med J. 2015 Nov 3;17(11):e20211.

care | understanding skincare

10 Gedanken zu “care | Skincare Lesson (1): Muss die Haut atmen?

  1. Hallo, mich beschäftigt das Thema Hautreinigung zur Zeit sehr. Ich verwende von La Roche Posay das Fluid (gelige Konsistenz) oder die Lotion (milchig). In letzter Zeit habe ich allerdings auf anderen Skincare blogs gelesen, man sollte ölige Konsistenzen (balea wird oft genannt) oder Balms (Clinique) verwenden, wenn man, wie ich, wasserfesten Sonnenschutz und Foundation trägt. Ich komme mit beidem nicht zurecht und bin nun ziemlich verunsichert, wie ich in Zukunft (ölfrei, am besten aus Apotheke oder Drogerie)) reinigen kann/soll. Es wäre toll, wenn du das Thema aufnehmen könntest. LG Doro

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  2. Hallo Sarah,

    schön das du jetzt mit dem Thema startest. Denk bitte daran, nicht nur das Gesicht in Angriff zu nehmen, sondern den ganzen Körper wie z.b. das Shampoo für die tägliche Dusche und was man da beachten sollte.
    Wenn ich heute z.b. meinen Rossmann Einkauf betrachte, dann habe ich mir die Duschgele nur gekauft, weil das eine so sommerlich aussah und das andere gab es mit 50% Rabatt durch einen Coupon in der Rossmann App, plus den 10% Coupon, den es immer zu hauf in der App gibt, so dass dieses Gurke Aloe Vera Duschgel mit 300 ml 25 Cent gekostet hat. Da fragt man sich schon, kann das überhaupt was taugen bei dem Preis oder muss Körperpflege eigentlich nicht so teuer sein und die ist auch in Ordnung und man ist einfach nur durch die Preise, die es oft bei der Gesichtspflege gibt, wo 30 ml gerne 20 30 oder auch mehr € Kosten einfach nur so verblendet und kann so dann nicht mehr richtig dran glauben, das so ein günstiges Produkt vielleicht auch vollkommen ausreichend sein kann für den Körper.

    Liebe Grüße

    Sebastian

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  3. Hallo Sarah,

    ich habe mich schon sehr auf den ersten Beitrag der Reihe gefreut :).
    Momentan versuche ich, mich tiefer in die ganze Skincare Sache einzulesen und fühle mich ganz oft völlig erschlagen von den ganzen verschiedenen Informationen, sodass ich gar nicht mehr weiß womit ich anfangen soll.
    Deswegen ein großes Danke an dich, dass du dir die Zeit für die „Skincare Lesson“ nimmst.

    Liebe Grüße
    Annika

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    • Hallo liebe Annika,

      danke für Deine liebe Nachricht ❤ Das freut mich riesig, dass Dir die Reihe tatsächlich auch einen Mehrwert liefert!!

      Du kannst mir sehr, sehr gerne Deine brennensten Fragen hier reinkommentieren, dann wandern sie direkt auf meine "to write" Liste und die Artikel der Skincare Lesson Reihe helfen Dir dann evtl. noch mehr.

      Freue mich sehr auf Deinen Input!! Liebe Grüße und Dir einen shcönen Tag,
      Sarah

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      • Hallo liebe Sarah,

        vielen Dank für deine Antwort und entschuldige, dass ich sie jetzt erst sehe.
        Mittlerweile habe ich mich schon mal quer durch deine bereits vorhandenen Artikel geklickt und einige Fragen wurden damit schon beantwortet (der Layering Artikel z.B. ist einfach großartig, vielen vielen Dank dafür! Der hat mir einige Fragezeichen über dem Kopf reduziert).
        Was mich am meisten interessieren würde ist, welche Inhaltsstoffe kann ich kombinieren, bei welchen Kombinationen sollte man aufpassen oder es ganz sein lassen? Vielleicht auch, wieviele Inhaltsstoffe man kombinieren kann, bevor es zuviel wird. Lichtschutzfaktor für Augen und Lippen fände ich auch sehr spannend, für den Körper sind jetzt einige Produkte nach deinem großen Artikel auf die Wunschliste gewandert :). Braucht man da was spezielles – bei meiner Sonnencreme fürs Gesicht habe ich oft das Gefühl, es ist unter den Augen zu reichhaltig.

        Liebe Grüße
        Annika

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      • Liebe Annika,

        wie cool, das freut mich, dass einige der Artikel Dir bereits weiterhelfeb konnten!
        Deinen Input habe ich mir direkt mal für weitere Blogposts abgespreichert – vielen Dank dafür!!

        Liebe Grüße,
        Sarah

        PS: „Lichtschutzfaktor für Augen und Lippen fände ich auch sehr spannend, für den Körper sind jetzt einige Produkte nach deinem großen Artikel auf die Wunschliste gewandert :). Braucht man da was spezielles – bei meiner Sonnencreme fürs Gesicht habe ich oft das Gefühl, es ist unter den Augen zu reichhaltig.“ Hehe, meist lese ich eigentlich genau das Gegenteil, also dass für die Augenpartie etwas reichhaltigeres gewünscht ist. Grundsätlich eignet sich eine Sonnencreme für das Gesicht auch immer für die Augenpartie. Nur oftmals haben viele um die Augen eine recht senisble Haut, die gerne auch mal auf organische Filter reagiert. Da kann es dann sein, dass man von Fall zu Fall entscheiden muss, ob eventuell ein anderer Schutz gewählt werden sollte.

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  4. Vielen Dank für den knackigen Beitrag. Schöne Idee für den Einstieg! Ich bin erstaunt wie tief der Sauerstoff durch die Haut eindringen kann, wusste ich gar nicht. [2] wird direkt mal in der Leseliste abgespeichert.
    Einen schönen Sonntag dir,
    Verena

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  5. Hallo Sarah,

    Wow, ich bin beeindruckt von diesem tollen Blog, habe ihn gestern erst entdeckt, habe also noch viiiiel Lesestoff vor mir 😉
    Ich möchte mich nun mit 32! ‚auch mal‘ mit dem Thema Skincare auseinandersetzen… Habe bisher folgendes getan: Schminken/abschminken mit Mizellenwasser/eincremen mit Nivea….
    Schlimm, wirklich. Aber besser spät als nie….
    Ich möchte aber verstehen was ich tue und wofür. Deshalb werde ich nicht stupide nachkaufen was andere toll finden, und mich, wie ich es immer tue, mit dem Thema auseinander setzen bis ich das richtige für mich gefunden habe…
    Ich habe soooo viele Fragen, aber ich werde erstmal deine Beiträge durchforsten und dann fragen 😉

    Danke für so viel Mühe, wirklich, ich bin richtig happy deinen Blog gefunden zu haben 😀

    Liebe Grüße
    Sina

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    • Hallo liebe Sina,

      vielen lieben Dank für deine tolle Nachricht und schön, dass du hierher gefunden hast 🙂
      Na, ich würde sagen 32 ist doch das perfekte Alter, um loszulegen 🙂 Ich hoffe natürlich, dass du hier einige Antworten finden wirst, falls nicht: immer her mit den Fragen – ich helfe gerne weiter!

      Wie du auch, will ich immer verstehen, was ich warum tue. Aus dieser Intention ist auch der Blog entstanden, weil ich irgendwo still gehofft hatte, es geht noch anderen so. Daher wollte ich mein Wissen teilen, damit auch andere eventuell davon profitieren können.

      Ich freue mich wirklich riesig, dass du mir geschrieben hast und wünsche dir jetzt erstmal gutes „Einlesen“ 🙂

      Bis hoffentlich ganz bald, liebste Grüße,
      Sarah

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