Ich habe meine Augen lasern lassen!

Meine erste Brille hatte runde Gläser und einen farbigen Rand. Ich war gerade in der 4. Klasse und plötzlich war ich also die Brillenschlange. Es sollten noch viele solcher Namen von meinen Mitschülern im Laufe der nächsten Jahre für mich gefunden werden. Früher war es tatsächlich noch ein major issue und eine willkommene Möglichkeit Kinder zu mobben. Heute habe ich den Eindruck, dass Brillen viel mehr als früher noch, durchaus als modisches Statement und Accessoire durchgehen. Wie dem auch sei, mein Alltag mit Brille empfand ich selbst eigentlich nie als lästig, denn schließlich konnte ich damit die Welt endlich wieder scharf sehen. Erst als ich Ende der Oberstufe Kontaktlinsen bekam, konnte ich wieder in etwa nachvollziehen, was es bedeutet, keine Brille auf der Nase zu haben.

Laser-Augen-BlogFoto: Eileen Jordan

Über die Zeit meiner Kindheit und Jugend, ja selbst noch bis zum Ende der Pubertät wurden meine Augen immer schlechter. Erst mit Ende 20 war ein Ende in Sicht, aber bei -8,5 dpt auf dem einen und -7,5 dpt auf dem anderen Auge, hatte ich ohnehin den Eindruck, dass es inzwischen auch nicht mehr viel ändern würde – ohne Hilfsmittel war ich so oder so vollkommen lost. Hatte ich morgens vergessen, wo ich abends meine Brille abgelegt hatte: keine Chance diese zu finden. Musste ich nachts mal ins Bad, ließ ich stets meine Augen geschlossen, denn ob blind oder sehr unscharf im Dunklen unterwegs, das machte dann auch keinen Unterschied mehr. Lustig war auch, dass ich Menschen, die einen Meter von  mir entfernt standen, nicht mehr auseinanderhalten konnte… über Größe, ungefähre Haarfarbe und Silouhette konnte ich über das Ausschlussprinzip noch raten, aber das war es dann auch. Ich will nicht Jammern – es gibt Leute, die noch weniger Sehkraft haben – ich will lediglich für „Sehende“ beschreiben, wie sehr ich von meiner Sehhilfe anhängig war. Ohne Brille oder Kontaktlinsen ging also gar nichts.

Ich glaube schon seit fast 15 Jahren hatte ich mir vorgenommen, irgendwann meine Augen lasern zu lassen… sofern dies eben möglich wäre. Denn zum einem hat mir mein Augenarzt geraten mindestens 4-5 Jahre zu warten, in denen sich die Sehschwäche nicht mehr verschlechtern würde. Ein weiterer Punkt ist natürlich auch die Kostenfrage, denn als Studentin oder auch später als Doktorandin hätte ich es mir finanziell nicht leisten können. Zu guter Letzt muss man auch gewisse morphologische und anatomische Gegebenheiten mitbringen – sprich, die Augen bzw. die Hornhaut muss für eine Laser-OP eine bestimmte Beschaffenheit aufweisen.

Anfang diesen Jahres fasste ich also endlich den Entschluss. Meine Augen hatten sich seit 5 Jahren nicht mehr verschlechtert, ich war Brille und Kontaktlinsen entgültig satt und als ich zur jährlichen Kontrolle in der Augenarztpraxis saß, fragte ich recht spontan meinen Augenarzt, ob ich denn nun soweit für eine Laser-OP wäre. Keine Einwände seinerseits, stattdessen eine Empfehlung für die bekannten Laserkliniken hier in München.

Auf Instagram hatte ich mich bereits vor und nach meiner OP gemeldet. Vielen Dank an alle, die Daumen gedrückt haben und liebe Wünsche hinterlassen haben. Mindestens genauso oft kamen aber auch Fragen, weshalb ich die häufigsten hier für Euch beantworten will:

„Wo hast Du Deine Laser-OP durchführen lassen?“

Auf Empfehlung meines Arztes war ich in der Augenklinik des Universitätsklinikums der LMU hier in München. Klares Argument war für mich, dass an der LMU Augenklinik alle aktuell gängigen Laser-Behandlungsmethoden angeboten werden. Die Idee ist, dass zunächst die Augen – wie in jeder anderen Laserklinik auch – untersucht werden und auf Basis dessen schließlich entschieden wird, welche Methode wirklich die beste für die jeweilig vorliegenden Vorraussetzungen ist. Viele andere Kliniken sind meist auf eine bestimmte Methode spezialisiert und werden dementsprechend auch diese Methode empfehlen. Damit will ich nicht sagen, dass man andernorts eine falsche oder unpassende Methode aufgequatscht bekommt. Dennoch fühlte ich mich an der LMU von Anfang an wohl und hatte ein gutes Gefühl.

„Welche Methode wurde bei Dir angewendet?“

Nach der ersten Voruntersuchung war die Spannung groß, welches Verfahren sich denn nun bei mir anbieten würde. Tatsächlich konnten meine Augen nach der SMILE-Methode korrigiert werden. Bei dem derzeit schonensten und minimalinvasivsten Verfahren auf dem Markt handelt es sich um eine Weiterentwicklung der etablierten LASIK-Methode. SMILE steht für Small Incision Lenticule Extraction und arbeitet mit einem Femtosekunden-Laser. Der Laser schneidet zunächst in die intakte Hornhaut eine dünne Hornhautlinse (Lentikel) und anschließend einen kleinen Zugang als minimalinvasiven Tunnel. Im Anschluss wird über den Tunnel in der Hornhaut der Lentikel entfernt. Großer Vorteil: die natürliche Struktur der Hornhaut bleibt erhalten, wodurch sich die Sehschärfe nach der OP schneller erholt und die Stabilität der Hornhaut insgesamt intakt bleibt.

„Wie lange hat der Eingriff gedauert?“

Pro Auge hat das Lasern 30 sec gedauert, die Enfernung des Lentikels sowie ein wenig „sauber machen“ etwa 1,5 min. Nach gerade mal 5 Minuten war der Spaß also schon vorbei.

„Hat die OP weh getan?“

Hier kann ich jeden beruhigen: jeder Besuch beim Zahnarzt, bei dem nicht gebohrt wird ist (zumindest für mich) weitaus schlimmer. Man erhält ca. 20 min vor dem Eingriff in mehreren Runden betäubende Augentropfen, sodass man vom Eingriff wirklich nichts, nada, niente spürt! Das einzig Unangenehme ist, dass man ständig Licht ins Auge bekommt und nicht wegsehen kann 😉 Aber alles andere war total harmlos und kein Grund zur Sorge. Zudem ist das ganze Team einfach wahnsinnig toll gewesen und auch mein behandelnder Arzt hat während der ganzen Prozedur mit mir gesprochen und mich damit quasi ganz gut beschäftigt.

„Konntest Du danach direkt sehen?“

Wirklich gut in dem Sinne konnte ich noch nicht sehen, das ist normal. Alles war erstmal sehr milchig und verschwommen, aber durchaus schon besser als zuvor ohne Sehhilfe. Ich verbrachte noch etwa 1h im OP-Zentrum, hatte eine kurze Nachuntersuchung und dann kam auch schon Isabel, die sich für diesen Tag extra als persönlicher Blindenführer angeboten hatte. Zwar hätte ich vom Gefühl her durchaus auch einfach die U-Bahn nehmen können, aber die Diskussion wurde von Isabel direkt im Keim erstickt (#dontmesswith Ilsbeth <3). Also ließ ich mich nach Hause bringen, wo ich erstmal einen 3h Nap auf dem Sofa gemacht habe. Als ich dann das erste Mal die Augen öffnete, konnte ich es kaum glauben: einfach so sehen, ganz ohne Brille oder Linsen! Das war (und ist auch immer noch) ein total irres Gefühl.

„Wie lange hat es gedauert, bis Du richtig sehen konntest?“

Am Tag nach der OP fand die erste Nachkontrolle statt. Hier war meine Sehkraft schon bei 80% und mein Arzt vollauf zufrieden: „Ein Ergebnis wie aus dem Lehrbuch – besser geht es nicht“. Danach bin ich direkt zur Arbeit – gut, das würde ich nicht unbedingt wieder so machen, aber es war auch nicht weiter tragisch. Schmerzen hatte ich keine, nur das typische Fremdkörpergefühl im Auge und ca. 3 Tage eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Inzwischen sind fast 8 Wochen vergangen und ich sehe besser als zuvor mit Sehhilfe. Bei meiner letzten Untersuchung lag meine Sehkraft bei den anvisierten 100%, es ist also alles verlaufen wie geplant ❤

eye glasses laser 

„Was musstest Du nach der OP beachten?“

Eigentlich nicht viel. Ich durfte ganz normal Sport treiben (na gut vielleicht erstmal 2 Tage nicht Tiefseetauchen oder ausgiebiges Schwimmtraining^^) und sollte nur in der ersten Nacht Augenklappen tragen, dass ich mir nicht aus Versehen im Schlaf die Augen reibe. Für eine Woche sollte ich 4x am Tag antibiotische Augentropfen und Augentropfen mit Steroiden verwenden. Ansonsten viel künstliche Tränen, die ich auch bis heute noch verwende. Nach einer Laser-OP hat man oftmals eine Weile lang trockene Augen. Aber da meine Augen schon immer recht trocken gewesen sind, empfand und empfinde ich den Umgang mit Augentropfen nach wie vor nicht als weiter störend.

„Was hat der Eingriff gekostet?“

Diese Frage ist so ziemlich eine der häufigsten, die kam. Gut, ganz günstig war es nicht: 5000€ für die Vor- und Nachuntersuchungen sowie den eigentlichen Eingriff. Soviel ich weiß liegt man in anderen Kliniken vom Preis her ähnlich.

„Würdest Du es empfehlen?“

Schwer zu sagen, denn da es sich hierbei um einem medizinischen Eingriff handelt, will ich mich mit Empfehlungen eigentlich zurückhalten. Dennoch kann man meine Begeisterung aus dem vorangegangenen Text eventuell rauslesen und die einzige Frage, die ich mir bisher im Zusammenhang mit der Laser-OP gestellt habe: warum habe ich es nicht schon so viel früher gemacht?!

–––

Sollte es trotz des Artikels nun von Eurer Seite noch offene Fragen geben, hinterlasst mir gerne einen Kommentar. Ansonsten freue ich mich auch, wenn es unter den Lesern auch jemanden gibt, der bereits eine Laserkorrektur hatte und über seine Erfahrungen damit berichten würde!!

 

4 Gedanken zu “Ich habe meine Augen lasern lassen!

  1. Hallo, ich denke auch oft über eine Operation nach. Allerdings werden meine Augen immer noch schlechter, obwohl ich Ende 30 bin, was mir echt Sorgen macht. Irgendwann ist der Zeitpunkt auch rum und man ist zu alt für die Operation, oder? Zum anderen wohne ich in einem kleinen Dorf weit entfernt von Großstädten mit namhaften Kliniken. Wie geht man dann vor, vor allem, wenn man am nächsten Tag zur Nachuntersuchung muss oder auch vorher zu den Untersuchungen? Sich ein Hotelzimmer nehmen? Sonst müsste man ja an mehreren Tagen hintereinander stundenlang zur Klinik fahren. LG Doro

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    • Hallo liebe Doro,

      vielen Dank für Deine Rückmeldung und Deine Fragen!!

      Klingt ja nicht so gut mit der anhaltenden Verschlechterung. Um wieviel Dpt werden Deine Augen denn schlechter und in welchen Abständen? Ich hatte mich eben damals irgendwann mit meinem Augenarzt darauf geeinigt, keine Korrektur mehr vornehmen zu lassen, wenn es um Änderungen von 0,25-0,75 Dpt ging. Im Sinne von: lass die Augen jetzt mal selbst klar kommen und gib nicht immer gleich den Schnuller, sobald das Kind schreit 😉 Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine?!

      Viele Ärzte sagen eben, dass sie nicht mehr lasern wollen, wenn man zu „alt“ ist. Aber mit Ende 30 kann davon keine Rede sein… wäre es jetzt Ende 40 ist das ein anderes Thema. Hintergrund ist, dass man dann ja meist auch schon wieder in die Altersweitsichtigkeit kommt.

      Gute Frage! Also vermutlich würde ich dann wirklich nach der OP über Nacht bleiben. Zur Voruntersuchung muss man dann eben auch entsprechend früher anreisen. Welche Konditionen oder Möglichkeiten hier aber gefunden werden können, wird dir am ehesten die betreffende Klinik selbst mitteilen können.

      Liebe Grüße,
      Sarah

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  2. Hi, ich bin auch bei -8 Dioptrien, kann deine Ausführungen also 1:1 nachvollziehen. Habe vor 3 Jahren stärkere Gläser bekommen, merke aber inzwischen ganz deutlich, dass meine Augen wieder schlechter geworden sind, einfach beim Fernsehen,bei Strassenschildern, einfach beim in die Ferne sehen, war aber noch nicht zur Überprüfung beim Arzt. Ehrlich gesagt, verstehe ich deinen Satz mit den 0,25 – 0,75 überhaupt nicht (vielleicht ist es die Hitze….). Also wenn sich deine Augen nochmals um diesen Wert verschlechtert hätten, hättest du nicht lasern lassen? Und wie ist das mit der Altersweitsichtigkeit? Dann droht uns trotz lasern wieder eine Brille? Lg Doro

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