eat | Von Diäten und It-Bags

Im Eingangspost bereits angedeutet, jetzt schauen wir zum Thema Ernährung, Diäten und Lifestyle genauer hin.

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Was mir persönlich immer die Ohren schrillen lässt, ist das Wort “Diät„. Wie oft hört man von Freunden und Bekannten, sie machen jetzt diese oder jene Diät. Und wie oft erfährt man bei erneuter Nachfrage, dass man das Konzept jetzt doch nicht so prall findet bzw. es sich doch so schlecht in den Alltag integrieren ließe.

Ich sage nicht, dass es immer so läuft. Andere halten ihre Diät mehr als gut ein, erzielen bemerkenswerte Ergebnisse und finden auf diesem Weg zu einem guten Körpergefühl. Doch im Gegensatz zu einem Lifestyle ist eine Diät zeitlich begrenzt. Man hat sein Ziel erreicht, ist zufrieden und kehrt zu alten Essgewohnheiten zurück. Und was dann kommt, wissen wir alle: Jojo- Effekt. Ja klar, kein Wunder, denkt sich jetzt der ein oder andere, wenn man nach der Diät direkt wieder Kuchen und Chips reinhaut… Aber auch wer das nicht macht, der kommt um den Jojo-Effekt nicht herum.

Und das hat genau einen Grund, über den sich nicht streiten lässt: in Millionen von Jahren haben sich Lebewesen in einer Art und Weise entwickelt, die eng mit der Ernährung verknüpft ist. Der Körper kann sich bemerkenswert gut an Hungerphasen anpassen. Tatsächlich war es im Laufe der Evolution mehr als wichtig, den Einfluss von Phasen zu minimieren in denen man teilweise oder ganz auf Nährstoffe verzichten musste. Und so ist Zunehmen für unseren Körper ein Kinderspiel. Im Sommer wurde ordentlich zugelegt, damit man die Hungerperioden im Winter gut überstehen kann. Common sense, hat jeder schon mal gehört. Uns so hat sich etwas entwickelt, das man genetisch festgelegtes Idealgewicht nennen könnte. Bei manchen ist dies relativ niedrig bzw. normal- Glück gehabt. Das sind diese Leute, die essen können was sie wollen (wie ich euch liebe), aber nicht zunehmen. Und dann gibt es Leute, die das Gefühl haben, ihr Leben lang gegen ihr Gewicht zu kämpfen. Warum das so ist, ist auch wieder ein schönes Produkt der Evolution. Das höchste Gewicht, das man im Laufe seines Lebens jemals hatte, wird für den Körper immer das Idealgewicht sein. Denn hier war keine Gefahr durch Hunger oder schlechte Zeiten zu erwarten. Wenn dieses Gewicht also einmal erreicht wurde, sieht der Körper keinen Grund, dies nicht wieder zu schaffen.

Ein paar Wochen Diät gegen Mechanismen, die sich über Millionen von Jahren entwickelt haben, lass‘ mal überlegen, wie das wohl ausgeht. Danke Evolution!

Doch noch einmal zurück zum Ursprung. Der Wunsch Gewicht zu reduzieren ist meist der Vater des Gedanken, weshalb viele eine Diät beginnen. Will man Gewicht verlieren, ist die Lösung leicht: es muss mehr Energie verbraucht werden, als aufgenommen wird. Die Message ist im Prinzip einfach, aber schwer in die Praxis umzusetzen, wenn man es sich mal von Seiten des Stoffwechsels und Metabolismus betrachtet. Hungerperioden, wie sie unsere Vorfahren erleben mussten, kennen wir im Grunde nicht mehr oder eben nur, wenn wir sie selbst herbeiführen. Also gerne bei Diäten. Und hier beginnt der Teufelskreis. Wir essen weniger, der Körper geht in einen Zustand über, der signalisiert „Notstand“! Lösung: erstmal verbrennen, was da ist und bei nächster Gelegenheit auf Nummer sicher gehen und noch mehr einlagern. Hungern während Diäten ist einer der größten Fehler, den viele machen. Wer über kurze Zeiträume vermehrt Hungerphasen „sammelt“, löst in seinem Körper bestimmte Stress- und Stoffwechselwege aus, die man lieber vermeiden will, wenn man langfristig die abgenommenen Kilos halten will.

Wie sehen die ersten Phasen einer Diät im Hinblick auf den Stoffwechsel denn nun aus? Als erstes muss das Glycogen dran glauben. Glycogen ist quasi der Zuckerspeicher des Körpers. Aufgebaut aus vielen Glucoseeinheiten (Zucker, Kohlenhydrat), wird es vom Körper in der Leber und der Muskulatur abgelegt. Ein Mensch von 65 kg verfügt in etwa über 400g Glycogen, das zusammen mit ca. der 3-fachen Menge an Wasser eingelagert wird. Würde man komplett auf Nahrung verzichten, so würde der Glycogenspeicher nach ca. 18 h geleert sein. Wer nur teilweise auf Nahrung verzichtet, bei dem dauert es etwa 2-3 Tage. Die Folgen auf der Waage, ca 1,5 kg runter in nur wenigen Tagen, sind aber eigentlich kein langfristiger Erfolg- zu früh gefreut! Die Arbeit liegt in der Fettverbrennung.

Nach der initialen Phase, in der Glycogen verbrannt wurde, geht es jetzt an die Fettreserven. Und hier geht es leider nicht mehr so schnell voran. Bei totalem Nahrungsverzicht verliert man etwa alle 4 Tage ein Kilo. Bei einer Diät mit reduzierter Nährstoffaufnahme, dauert es knapp über eine Woche. Es ist also völlig normal, dass auf eine Phase mit schnellem Gewichtsverlust, eine Phase folgt, in der sich auf der Waage nichts zu bewegen scheint.

Wer nun also konsequent war und die Diät, welcher Art auch immer, durchgezogen hat, der darf sich sicher über einen gewissen Gewichtsverlust freuen. Doch die eigentliche Arbeit beginnt nach der Diät, denn kaum jemand wird das Gewicht halten können, wenn wieder zu den Gewohnheiten vor der Diät zurückgekehrt wird.

Hier kommt die Sache mit dem Lifestyle ins Spiel. Man stelle sich nur vor, es würde auch ohne Diäten gehen. Haltet euch fest, es ist tatsächlich möglich! Absolut schockierend, ich weiß. Wenn man tatsächlich unzufrieden mit dem eigenen Gewicht sein sollte, hilft nur eines. Man muss die eigene Genetik und den Stoffwechsel gekonnt austricksen:

  • Eine ausgewogene Ernährung, die auf Hungerphasen verzichtet und so vermeidet, dass der Körper sein Hunger-Notfall-Programm startet.
  • Sport in den Alltag integrieren und Muskeln aufbauen. Diese haben einen höheren Stoffwechsel und verbrauchen automatisch mehr Energie.
  • Morgens frühstücken!! Auch wenn man es oft (in Frauenzeitschriften) liest „DER Tipp aller schlanken Frauen: verzichten Sie auf das Frühstück!“. Falsch, absolut falsch. Auch hier kann ich mich nur wiederholen. Kurzfristig, freut man sich über den flachen Bauch, aber langfristig wird die Muskulatur abgebaut, also genau die Masse, die zusätzlich Energie verbraucht. Denn wenn über die Nacht die Energiereserven verbraucht wurden, ist morgens nichts mehr da und es werden Aminosäuren (Protein) aus der Muskelmasse zur Energiegewinnung herangezogen. Ziemlich kontraproduktiv.
  • Konsequent sein, keine Diäten. Gerade wer immer wieder eine neue Diät ausprobiert und alle paar Monate seinen Körper wieder in eine Diätphase versetzt, macht den eigenen Stoffwechsel in wahrsten Sinne des Wortes kaputt. Ständig muss er sich auf neue Ernährungsweisen einstellen und schauen, wo die zum Teil fehlenden Nährstoffe anderweitig beschafft werden. Wer bewusst isst und das konsequent beibehält, wird langfristig Früchte davon tragen.

Dass sich die ganzen Zeitschriftenheader wie „5 kg weg in nur 7 Tagen“ verlockend anhören, will ich gar nicht bestreiten. Mal wieder Zeit für einen kleinen Vergleich: Ich geh zu Zara und kauf mir ein wahnsinnig angesagtes Dupe einer Markentasche. Gefällt mir total gut, ich trage sie ständig. Aber es ist halt nur das Dupe und nicht das Original. Irgendwann sehe ich mich daran satt und sie landet zusammen mit den 20 anderen Taschen in den Tiefen meines Kleiderschranks. Einfach zu Chanel spazieren und mir eine 2.55 rauslassen, ist halt nicht drin. Dafür muss man (die meisten Leute zumindest) arbeiten und über einen gewissen Zeitraum konsequent Geld zur Seite legen. Irgendwann hat man dann das Teil (oder welche Traumtasche/ Schuhe/ Accessoires) auch immer und freut sich ewig drüber.

Auch der eigene Körper ist ein zeitloser Klassiker. Ziel vor Augen behalten, geduldig sein und sich ein Leben lang drüber freuen.

eat | Schluss mit Diäten! 

2 Gedanken zu “eat | Von Diäten und It-Bags

  1. Pingback: eat | Let’s (not) play the Jojo-Game |

  2. Pingback: eat | healthy eating habits |

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