care | INCI-Wiki (16): Matrixyl3000

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Schon wieder so eine futuristische Wortschöpfung, die sich werbewirksam zur Vermarktung von Anti-Aging Pflegeprodukten verwenden lässt oder steckt doch mehr dahinter? Ich habe mir letztens ein Produkt mit Matrixyl3000 bestellt und bin schon sehr gespannt, wie es anschlagen wird. Denn hinter dem futuristischen Namen, der so artifiziell und alles andere als natürlich klingt, verbirgt sich eine Peptidkombination.

Peptide bezeichnen kurze Aminosäureketten, wie sie auch in unserem Körper zu finden sind. Im menschlichen Stoffwechsel können 23 verschiedenen Aminosäuren zum Aufbau verschiedener Peptide verwendet werden. Aufgrund der vielen Möglichkeiten diese 23 Aminosäuren miteinander zu kombinieren, kann man sich leicht vorstellen, dass die Gruppe der Peptide unendlich groß und divers ist. So erfüllen einige Peptide als Peptidhormone wichtige Aufgaben im Signalstoffwechsel (z.B. Insulin oder die Schilddrüsenhormone), können Entzündungen fördern oder diese hemmen, antibiotisch oder antiviral wirken, etc. Die jeweiligen Funktionen und Eigenschaften bestimmter Peptide sind mitunter gut erforscht, warum also nicht in die Hautpflege integrieren?!

Wenn man auf einem Pflegeprodukt den Vermerk auf “Peptide” findet, ist das zwar schön, aber wie ihr spätestens jetzt wisst, gibt es Millionen von Möglichkeiten ein Peptid aufzubauen. Die alleinige Angabe “Peptid” sagt also nichts über die Wirksamkeit aus, dafür muss schon etwas mehr Information über den genauen Aufbau des jeweiligen Peptids her.

Im Falle von Matrixyl3000 handelt es sich wie bereits erwähnt nicht nur um ein einzelnes Peptid, sondern um die Kombination aus zwei Peptiden. Welchen Sinn und welche Wirkung dies verspricht, lest ihr im heutigen Beitrag.

Kategorie

Hautconditioner

Chemische Bezeichnung

N-(1-oxohexadecyl)-glycyl-histidyl-lysine und N-(1-oxohexadecyl)-glycyl-glutamyl-prolyl-arginine

INCI und alternative Namen

Palmitoyl Oligopeptide und Palmitoyl Oligopeptide-7 bzw. C16-GHK und C16-GQPR.

Chemisch gesehen handelt es sich bei den beiden INCIs um Peptide, die mit einer Fettsäurekette (C16, Palmitoyl) verbunden sind. Das Peptid in Palmitoyl Oligopeptide besteht aus drei Aminosäuren: Glycin (G), Histidin (H) und Lysin (K); während das Peptid in Palmitoyl Oligopeptide-7 aus vier Aminosäuren aufgebaut ist: Glycin (G), Glutamin (Q), Prolin (P) und Arginin (R). Die Fettsäure soll zum einen die Penetration durch die Haut erhöhen [1], denn Peptide können von sich aus nicht mit der Haut interagieren. Kommt das Peptid aber mit einer Fettsäure im Schlepptau an, kann sich die Fettsäure in die Lipid-Doppelschicht der Zellmembranen unserer Hautzellen einlagern und so die Aufnahme der Peptide in die Haut begünstigen. Zum anderen steuert die Fettsäure auch stabilisierende Eigenschaften bei, denn die beiden Peptide sind extrem instabil und weisen in der Haut Halbwertszeiten von wenigen Sekunden auf.

Wirkungsweise [2]

Palmitoyl Oligopeptide (GHK):

  • beschleunigt die Wundheilung, indem es Immun- und Hautzellen zu geschädigten Regionen lockt (Chemotaxis)
  • in Pflegeprodukten hat es auf die Haut folgende Wirkungen: festigt, erhöht die Elastizität, reduziert feine Linien und Falten, mildert Lichtschäden und Hyperpigmentierungen
  • stimuliert die Kollagensynthese [3] (das Peptid GHK ist außerdem ein Baustein von Typ I Kollagen)
  • stimuliert die Hyaluronsäuresynthese
  • als Antioxidans ist GHK in der Lage freie Radikale zu binden, die in besonders hoher Menge beim Abbau von Fetten entstehen [4]

Palmitoyl Oligopeptide-7 (GQPR):

  • reduziert die Produktion des Entzündungsfaktors Interleukin-6 (IL-6), weshalb GQPR vermutlich entzündungshemmend wirkt. IL-6 begünstigt das Entstehen von Entzündungen und führt in der Folge zu einem beschleunigten Abbau des zellulären Hautgerüsts, was sich letztendlich in Falten, verringerter Hautfestigkeit und Elastizitätsverlust niederschlägt. Indem GQPR also die Konzentrationen von IL-6 reduziert, wird der Abbau des zellulären Hautgerüsts verlangsamt und im Gegenzug die Regeneration gefördert.

Einsatzkonzentration

3-10%

Formulierung

Die Formulierung von Peptiden ist eine nicht ganz triviale Geschichte. Denn sie reagieren sehr empfindlich auf Oxidation, also Licht- und Sauerstoffeinfluss. Doch selbst wenn sie in der Haut angekommen sind, kann man noch nicht sicher sein, denn in Zellen warten allerhand Proteasen (Enzyme, die Proteine und Peptide abbauen). Daher ist die Kombination mit einer stabilisierenden Komponente zwingend nötig, ansonsten kann man sich das Cremen nämlich sparen. Zur Stabilisierung eignen sich wie bereits erwähnt Fettsäuren, aber auch Kupfer hat sich bewährt. Kupfer-Peptid-Komplexe finden heutzutage therapeutische Anwendung in der Wundversorgung, bei chronischen Lungenerkrankungen und sogar bestimmten Krebsarten  [5].

Funfact

Ähnlicher Name unterschiedliche Wirkung: sowohl Matrixyl als auch Matrixyl3000 sind Entwicklungen der Firma Sederma. Bei Matrixyl3000 hat man sich den Erfolg von Matrixyl zu nutze gemacht und ist sozusagen auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Namensvetter ist die chemische Basis der Peptide. Aber inzwischen wisst ihr, wie divers Peptide sind- keines ist wie das andere.

Dreamteam

Feuchtigkeitsspendende INCIs wie Hyaluronsäure, Panthenol oder Allantoin bilden eine häufig formulierte und angewandte Inhaltsstoffkombination. Aber auch in Verbindung mit Antioxidantien oder anderen Aminosäuren habe ich Matrixyl3000 schon gesehen.

Good to know

Primärliteratur zu Peptiden im Zusammenhang mit ihrem Einsatz in der Hautpflege und Wundheilung finden sich zu Hauf, sodass man von der Masse der positiven Eigenschaften und Wirkungen zurecht beeindruckt sein kann. Dennoch muss an dieser Stelle fairerweise gesagt sein, dass die Studienlage zu Matrixyl3000 selbst relativ mau ist bzw. noch in den Kinderschuhen steckt. Viele der Studien basieren hauptsächlich auf in vitro Experimenten oder wurden vom Hersteller selbst initiiert. Die Ergebnisse wurden nie in klinischen Studien geprüft. Wirklich unabhängige, unbeeinflusste Forschung sieht anders aus.

Literaturangaben

[1] Choi,.C. M. and Berson, D.S., Cosmeceuticals, Semin Cutan Med Surg. 2006 Sep;25(3):163-8.

[2] Pickart, L. et al., GHK peptide as a Modulator of multiple cellular pathways in Skin Regeneration. Biomed Res Int., 2015;2015:648108.

[3] Choi, H.R. et al., Stem cell recovering effect of copper-free GHK in skin. J Pept Sci, 2012;18(11): 685–690.

[4] Beretta, G. et al., Acrolein sequestering ability of the endogenous tripeptide glycyl-histidyl-lysine (GHK): characterization of conjugation products by ESI-MSn and theoretical calculations. J Pharm Biomed Analysis, 2008;47(3):596–602.

[5] Badenhorst, T. et al., Physicochemical characterization of native glycyl-l-histidyl-l-lysine tripeptide for wound healing and anti-aging: a preformulation study for dermal delivery. Pharm Dev Tech, 2016; Mar;21(2):152-60.

[6] Safety Assessment of Palmitoyl Oligopeptides as Used in Cosmetics, Scientific Literature Review, August 13, 2012.

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