care | Hautpflegemythen- was ist wirklich dran?

Folgenden Post haben viele sicher schon in der ein oder anderen Art in der Vergangenheit gelesen. Dennoch bleibt das Thema aktuell, denn geht es um Hautpflege und Anti-Aging, liest und hört man die wildesten Ratschläge. Oft klingen diese tatsächlich seltsam, wirken aber (Schneckenschleim gegen trockene Haut), andere klingen vernünftig, sind in Wirklichkeit aber Nonsense. Einige dieser „Tipps“ begegnen einem immer und immer wieder, doch was ist dran? Höchste Zeit mit ein paar Hautpflegemythen aufzuräumen!

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„Wer viel trinkt hat eine schöne Haut“

Ganz ehrlich, wie oft hört man diesen Satz von so ziemlich jedem Hollywoodstar, der nach der Antwort seines persönlichen Beauty-Geheimisses befragt wird?! Ausreichend Wasser zu trinken ist natürlich wichtig für den Körper, doch die Haut alleine durch genügend Wasserzufuhr mit Feuchtigkeit zu versorgen, wäre dann doch etwas zu einfach. Wer viel Wasser trinkt, versorgt in erster Linie die lebensnotwendigen Prozesse des Körpers. An die äußerste Schichten der Haut, dort wo sich trockene Haut bemerkbar macht, dringt das durch Trinken aufgenommene Wasser erst gar nicht vor. Viel wichtiger ist es, die Hautbarriere von außen zu schützen, einerseits durch das Vermeiden von Alkohol, Tabak oder Sonneneinstrahlung, andererseits durch gezielte Feuchtigkeitspflege mit Hyaluronsäure, Glycerin, Fettsäuren etc..

„Das Alter bestimmt die Pflegeprodukte“

Viele Firmen bewerben ihre Produkte mit den Zusatz „für reife Haut“, Produkte also, die den Bedürftnissen reifer Haut gerecht werden sollen. Die Wahl entsprechender Hautpflegeprodukte wird aber vom Hauttyp bestimmt (trocken, sensibel, fettig,…) und nicht vom Alter. Überraschung: auch ab 50 kann eine Haut immer noch trocken, sensibel oder fettig sein. Dennoch basieren die meisten Produkte „für reife Haut“ hauptsächlich auf der Annahme, dass trockene und sonnengeschädigte Haut vorliegt. Entsprechend reichhaltig und feuchtigkeitsspendend sind solche Produkte formuliert, die sich letztendlich kaum von Produkten für trockene Haut unterscheiden. Wichtig bleibt aber nach wie vor der Hauttyp und nicht das Alter. Deshalb kann man mit 30 ohne weiteres Produkte für reife Haut verwenden, sofern man eben zu trockener und feuchtigkeitsarmer Haut neigt. Einen Effekt, bei dem sich die Haut bereits in jungen Jahren an Produkte dieser Art gewöhnt und diese in späteren Zeiten dann unwirksam wären, gibt es übrigens auch nicht.

„Hautpflegeprodukte muss man regelmäßig wechseln, sonst gewöhnt sich die Haut daran“

Für die Haut als extrem regeneratives Organ (alle 6-8 Wochen erneuert sich die oberste Hautschicht), sind Gewöhnungseffekte ein absoluter Mythos. Warum sollte Vitamin C, das auch im Körper seit Geburt an in bestimmten Stoffwechselprozessen der Haut verwendet wird, plötzlich nicht mehr wirksam sein, nur weil man ein entsprechendes Vitamin C Serum verwendet? Ähnlich verhält es sich mit anderen Inhaltsstoffen. Für die Haut werden Antioxidantien, Vitamine und andere Feuchthaltefaktoren immer essentiell sein. Der Grund weshalb sie aber dennoch in Abhängigkeit vom Alter mit entsprechenden Produkten assoziiert werden: viele der genannten Inhaltsstoffe, werden vom Körper selbst synthetisiert, jedoch nimmt die Menge dieser Stoffe mit dem Alter ab, weshalb speziell angereicherte Produkte („Anti-Aging“) diese Lücke schließen können. Wann man aber letztendlich damit beginnt, als  „Anti-Aging“ bezeichnete Produkte zu verwenden, liegt weniger am Alter sondern an den Bedürftnissen der Haut.

„Von Dermatologen empfohlen“

Na dann kann es ja nur gut sein… Moment. Der erwähnte Satz wird von Hautpflegemarken für Wettbewerbsvorteile intrumentalisiert, denn grundsätzlich kann sich das jeder auf sein Produkt pinseln, ohne dass wirklich viel dahinter steckt. Ich kann auch nicht wirklich glauben, dass dieser Claim tatsächlich eine Kaufentscheidung beeinflusst. Trotzdem scheint es bei manchen eine gewisse Kaufbereitschaft zu wecken… Viel wichtiger wäre, sich mit den Bedürftnissen der Haut auseinander zu setzen und entsprechende Produkte aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auszuwählen.

„Immer alle Produkte einer Hautpflegeserie verwenden, denn diese sind perfekt aufeinander abgestimmt“

Ist ja klasse, dass Produkte so gut aufeinander abgestimmt sind, aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch perfekt an die Bedürftnisse der Haut abgestimmt sind. Auch hier ist es wieder wichtiger die Bedürftnisse der Haut im Fokus zu haben und nicht den Versprechen der werbenden Marke blind zu vertrauen. Denn nur, weil ein Produkt passend ist, sind es nicht automatisch auch alle anderen Produkte der jeweiligen Serie. Dafür gibt es schlichtweg zu viele verschiedene und individuelle Hautbedürftnisse. Passend zu diesem Ansatz habe ich in diesem Artikel bereits erläutert, wie und weshalb man von einer abwechslungsreichen und gelayerten Hautpflegeroutine profitieren kann.

„Make up verstopft die Poren und macht Pickel“

Nur so semi-falsch, wenn man es mal so formulieren darf. Früher basierten viele Puder und Make ups auf Reisstärke, diese quoll in Verbindung mit Feuchtigkeit auf und verstopfte so regelrecht die Haut. Heutzutage mit der Verwendung moderner Rezepturen, ist dies jedoch nicht mehr der Fall und so ist es nicht das Make up, das die Poren verstopft und Pickel befördert, sondern das fehlende oder unzureichende Abschminken am Abend. Denn gerade über Nacht, wenn der Organismus zur Ruhe kommt und eigentlich die regenerierenden Prozesse hochgefahren werden, kann verbleibendes Make up auf der Haut zu Reizungen und Entzündungen führen.

„Nur teure Produkte sind auch wirklich wirksam“

Über diese Aussage könnte ich seitenweise Content liefern. Um es kurz zu machen: teuer heißt nicht gleich gut. Gerade bei hochpreisigen Produkten von Chanel, La Mer und wie sie alle heißen, bin ich jedes Mal total perplex, wie viele Konsumenten tatsächlich bereit sind, so viel Geld für eine Creme zu investieren, die im Grunde einer gut formulierten Basis-Feuchtigkeitscreme in nichts nachsteht. Auch wenn solche Produkte tasächlich wirksame Bestandteile enthalten sollten, spätestens der Gebrauch eines Tiegels lässt mich an der langfrisigen Wirksamkeit zweifeln. Einmal geöffnet, gelangt Sauerstoff an die Creme und die Zersetzungsprozesse beginnen, schneller als man das Produkt aufbrauchen kann. Auch die Entnahme einer Creme aus einem Tiegel garantiert durch den ständigen Gebrauch der eigenen Finger eine optimale Bakterienvermehrung- nichts, das ich mir gerne auf die Haut geben möchte.

Eine INCI Liste zu verstehen und nachzuvollziehen ist nicht unbedingt einfach. Daher kann ich verstehen, dass viele dem Gedanken „teuer = gut“ Vertrauen schenken. Gleichzeitig nutzen Kosmetikfirmen genau diese Unwissenheit aus, um Geld zu verdienen. Wirklich verdenken kann man es ihnen nicht, fair ist aber trotzdem etwas anderes. (Solltest Du Dir unsicher sein, ob Deine Hautpflegeprodukte wirklich ihr Geld wert sind, nutze die Kommentarfunktion oder schreibe mir jederzeit eine kurze Email.)

„Mitesser können weggepeelt werden“

Die Reinigung Deiner Haut nimmt einen festen Platz in Deiner Morgen- und Abendroutine ein und dennoch bekommst Du diese lästigen Mitesser nicht weg?! Keine Sorge, es liegt nicht daran, dass Du Deine Haut zu wenig reinigst. Die lästigen schwarzen Punkte entstehen, wenn sich in der Pore eine Verstopfung bildet und abgestorbene Zellbestandteile und Talg nicht mehr normal abtransportiert werden können. Eine regelmäßige Reinigung und mechanische Peelings können diesem Problem nicht vollumfänglich zu Leibe rücken, denn sie wirken lediglich auf der Hautoberfläche. Zwar erscheint ein Mitesser nach einem mechanischen Peeling erstmal weniger deutlich, die Ursache bleibt aber bestehen. Dauerhafte Abhilfe schafft hier nur ein Peeling, das in der Pore selbst wirkt. Die regelmäßige Verwendung milder chemischer Peelings mit Salicylsäure kann die Ursache von Mitessern langsfristig beseitigen und das Hautbild so deutlich verbessern. Mechanische Peelings sollte man bei empfindlicher Haut lieber aussparen bzw. auf ein Minimum beschränken, denn sie können die Haut unnötig reizen.

„Man braucht eine Tages- und Nachtpflege“

Die Trennung von Tages- und Nachtpflege kann sinnvoll sein. Vor allem wenn man tagsüber eine Feuchtigkeitspflege mit Lichtschutzfaktor verwendet (das wird nachts einfach überflüssig) und wenn man abends sehr reichhaltige Cremes verwendet. So würde ich tagsüber stark okklusive/reichhaltige Cremes auf jeden Fall vermeiden wollen, denn wer will schon mit fettig-glänzender Haut durch die Gegend spazieren. Abends hingegen nehme ich das gerne in Kauf, um von der pflegenden Wirkung zu profitieren. Abgesehen von persönlichen Vorlieben oder Anwenderakkzeptanz, braucht es aber grundsätzlich keine getrennten Tages- und Nachtcemes.

„Mineralöle, Silikone und Petrolatum- unbedingt vermeiden“

Und schon wieder ist man mittendrin in einer Debatte, die in der Hautpflege wohl nie zur Ruhe kommt. Vergessen wir mal eben alles Negative, das wir über Mineralöle, Silikone und Petrolatum gehört haben, bleibt folgende Information: die drei genannten Stoffe gelten laut aktuellem Forschungsstand als absolut sicher und wirken dabei wunderbar gegen trockene Haut. Nicht umsonst sind sie bei der Behandlung schwerer Hautverletzungen auch im medizinischen Bereich das Mittel der Wahl. Mineralöle und Petrolatum, das in der Kosmetikbranche verwendet wird, ist zudem zertifiziert und unterliegt höchsten Reinheitsansprüchen.

„Naturkosmetik ist besser als konventionelle Kosmetik mit ihren vielen synthetischen Inhaltsstoffen“

Wenn es nur so einfach wäre… Aussagen wie diese sehe ich kritisch, weil ich ungern schwarz-weiss denke. Die Naturkosmetik hat viele tolle Ansätze, doch man sollte hier auch nicht blind ausschließlich gute Assoziationen mit dem Begriff „Naturkosmetik“ verbinden. Einerseits ist der Begriff Naturkosmetik weder klar definiert noch gesetzlich geregelt. Andererseits werden oft hohe Mengen an Alkohol oder ätherischen Ölen verwendet, die potentiell die Haut reizen können. Ob Naturkosmetik oder nicht, ich würde mich dem weder verschließen noch es blauäugig in den Himmel loben. Viel wichtiger ist auch hier wieder ein Blick auf die Inhaltsstoffe und die persönlichen Hautbedürftnisse.

care | Hautpflegemythen revisited

 

5 Gedanken zu “care | Hautpflegemythen- was ist wirklich dran?

  1. Danke für den letzten Punkt!!! Ich verwende sehr viel Naturkosmetik, aber nur die ohne Alkohol und (im Gesicht) Duftstoffe. Dafür setze ich aber auch auf die reizfreie Goldstücke aus der konventionellen Drogerie. Wieso nicht. Mir ist tierversuchsfrei wichtig. Schlecht und Gut geht es in beiden Sparten, aber das geht in viele Köpfe nicht rein.

    Liebe Grüße
    Valandriel

    Gefällt 1 Person

    • Da hast Du ja so recht. Ich finde es toll, dass Du Deinen Prinzipien (tierversuchsfrei) treu bleibst, dabei aber nicht die Scheuklappen aufbehältst. Wie Du ganz richtig sagst: Schlecht und Gut geht in beiden Sparten. Deshalb halte ich auch immer die Augen offen und suche nach den guten Produkten ganz unabhängig davon, welcher Sparte sie vermeintlich angehören.

      Lieben Dank für Deinen Kommentar, Valandriel!!
      Viele Grüße,
      Sarah

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