Skincare Lesson (4): Was ist der Sinn einer Pflegeroutine?

Es liegt wohl in der Natur des Menschen: wir sind von Haus aus eher neugierig und lieben Abwechslung. Das fängt damit an, dass wir nicht tagein tagaus das selbe essen wollen, für den Urlaub nicht unbedingt immer an den selben Ort fahren oder sowieso auch nie etwas passendes zum Anziehen haben. Aber es ist ja auch einfach schön Neues zu entdecken – das erweitert unseren Horizont und wir sammeln Inspiration für den Alltag. So aufgeschlossen man Neuem gegenüber sein sollte, in Sachen Hautpflege kann sich ein wenig Konsistenz lohnen. Schließlich heißt es auch Pflege-ROUTINE und nicht Pflege-ich-mache-jeden-Tag-etwas-Neues. Aber was steckt eigentlich hinter der Idee einer Pflegeroutine und weshalb macht es Sinn, sich eine eben solche zuzulegen?

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Die Bedürfnisse der Haut erkennen und reagieren

Auf einer Creme steht „für reife Haut“ und schon legen wir das Produkt wieder aus der Hand. Also von reif bin ich schließlich noch weit entfernt – Frechheit. Ah, „für einen jugendlichen Teint“ – klingt doch gleich viel besser. Doch eigentlich ist das der falsche Ansatz, denn nicht das Alter bestimmt unsere Pflege, sondern unser Hautzustand. Denn Attribute, die wir mit einer jungen Haut assoziieren würden – z.B. Unreinheiten, Pickelmale, Akne – gehören ab 25 nicht automatisch der Vergangenheit an (leider). Genauso können Merkmale, die klassicherweise einer reifen Haut zugeschrieben werden (z.B. Hyperpigmentierungen, Fältchen, fahler Hautton), auch bereits in jungen Jahren bestehen. Deshalb sollte man Hautpflege nicht primär nach dem Alter auswählen, sondern vor allem auch nach den jeweilig vorliegenden Bedürfnissen und Anliegen der Haut.

Haupflege mag Geduld

Ob ein Produkt für ein jeweiliges Anliegen funktioniert, oder ob trotz Peelen, Cremen und Einklopfen nichts passiert: für die Berutreilung über Erfolg oder Misserfolg, sollte man sich ein wenig Zeit geben. Denn nachhaltige Verbesserungen zeigen sich nur langsam, eine Zauberformel, die von heute auf morgen alles besser macht, gibt es nicht. Hört auf nach „Soforteffekten“ zu jagen – Produkte, die Poren verschwinden lassen, Fältchen auffüllen und die Haut aufpolstern. Ja, das kann es durchaus geben. Aber zumeist sind das eher kurzfristige Effekte, die erreicht werden, weil das Produkt auf der Haut verbleibt. Langfristig gesehen, werden diese Effekte bei der nächsten Reinigung für gewöhnlich wieder verschwunden sein.

Damit sage ich nicht, dass derartige Produkte nicht auch Sinn machen können. Aber sagen wir es mal so: wenn ich ein Glas fallen lasse, lege ich ja auch nicht nur ein Handtuch drüber und hoffe, dass das Problem weg ist. Stattdessen werde ich wohl eher an den Wandschschrank gehen, Kehrwisch und Kutterschaufel bemühen und die Scherben wegfegen. Also schaut doch mal unter’s Handtuch und packt das Problem an der Wurzel. Statt auf die Werbeversprechen der Kosmetikhersteller zu vertrauen und über Nacht Wunder zu erwarten, reflektiert was das eigentliche Problem sein könnte. Ist das erkannt, gilt es die passende Pflege auszuwählen und am Ball zu bleiben – mindestens 6-8 Wochen sollte man sich dazu Zeit geben. Ausnahme dabei ganz klar: wer mit Rötungen, Brennen, Unreinheiten oder Unverträglichkeiten reagiert, sollte nichts erzwingen und vorsichtshalber auf das Produkt verzichten.

Weshalb Routine nichts mit Langeweile zu tun hat

Wir haben alle nur ein Gesicht, ergo auch nicht so viel Fläche, ständig neue Produkte auszuprobieren und zu verwenden. Es macht also Sinn gezielt zu wählen und die Dinge zu verwenden, die auch wirklich zu unserem Hauttyp passen, anstatt alles kreuz und quer zu verwenden. Doch wer jetzt denkt, dass eine Pflegeroutine bedeutet, sich einschränken zu müssen, für den habe ich jetzt 6 Argumente weshalb das nicht der Fall ist und warum man sogar eher davon profitiert:

  • Eine sinnvoll zusammen gestellte Pflegeroutine sollte eher auf wenige (kein Mensch braucht 20 Produkte im regelmäßigen Einsatz), dafür aber wirksame Produkte setzen. Das erzielt im Idealfall optimale Effekte und schont gleichzeitig auch den Geldbeutel.
  • Mit einer Pflegeroutine hat man seltener einen ganzen Badschrank voller offener und angebrochener Produkte. Somit stellt man sicher, keine abgelaufenen, oxidierten und damit eigentlich unwirksamen Pflegeprodukte zu verwenden.
  • Wer „seine“ Produkte gefunden hat, wird Änderungen am eigenen Hautbild für gewöhnlich recht schnell bemerken und einordnen können: ist der Jahreszeitenwechsel oder doch ein neues Produkt der Übeltäter?
  • Ich persönlich bin dem Thema Minimalismus und Nachhaltigkeit nicht ganz abgeneigt, daher erscheint mir eine gut durchdachte Pflegeroutine auch in dieser Hinsicht als nicht ganz verkehrt: weniger Fehlkäufe, weniger Kram, der rumsteht, weniger Ressourcen, die verschwendet werden.
  • Abwechslung gefällig? Ja, auch mit einer Pflegeroutine ist das trotzdem noch möglich. Allein bedingt durch den Jahreszeitenwechsel, kann es sein, dass man zum Sommer hin oder dann im Winter die Routine ohnehin etwas adaptieren muss. Alternativ kann man beispielsweise auch in Form von „Spezialtreatments“ Abwechslung in die Pflege bringen. Ob Tuchmasken, 1-2x wöchentliche Retinol-Behandlungen oder Peelings im Rahmen einer medizinischen Hautpflegebehandlung, alles Beispiele, die man sich schließlich nicht täglich gönnt.
  • Das Thema Überpflege haben wir bereits in der letzten Skincare Lesson behandelt und auch hier passt es thematisch gut rein. Wer sich eine Routine zurechtlegt, wird weniger selten wie ein nervöses Eichhörnchen auf jedes neue Produkt springen *ich-muss-das-jetzt-sofort-testen*. Wer sich ständig Neues auf die Haut gibt, schafft nicht nur Verwirrung, man risikiert auch, dass die Haut schlichtweg nichts damit anfangen kann. Im unangenehmsten Fall reagiert sie mit den Anzeichen einer Überpflege wie Unreinheiten, Unterlagerungen oder einem stark glänzenden, gespannten Hautbild.

Willst Du genauer wissen will, wie Du Dir letztlich eine passende Pflegeroutine zusammenstellst? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar mit Deinen Fragen. Denn die nächste Skincare Lesson soll sich genau mit diesem Thema befassen. Alle anderen, die bereits eine Routine für sich gefunden haben: erzählt doch mal, was in Euren Augen der Vorteil daran ist und wie Ihr dazu gemommen seid – gerne würde ich die oben genannten Argumente zum Thema pro Pflegeroutine ausbauen!

care | understanding skincare

11 Gedanken zu “Skincare Lesson (4): Was ist der Sinn einer Pflegeroutine?

  1. Hallo Sarah! Wie immer ein toller und gut durchdachter Artikel! Ich fand die Bemerkung, mit den Handtuch über das fallen gelassene Glas sehr lustig!!!
    Weil du oben angemerkt hast 1-2 mal pro Woche Retinol: ich wollte dich mal nach deiner Meinung fragen, bei einer Sache wo ich mir sehr unsicher bin: Ich benützte täglich das PC Clinical 1% Retinol Treatment, allerdings ist es so dünnflüssig dass ich davon sehr wenig verbrauche (1g Verbrauch pro Monat) UND meine Haut beschwert sich nicht. Wenn meine Haut sich nicht beschwert, heißt das es ist ok und ich kann es weiter machen? Oder ist es so, dass obwohl ich nichts merke trotzdem eine Schaden auf meiner Haut sein kann? Wäre es besser seltener aber dafür dicker aufzutragen? Ich nehme es jetzt seit 8 Monaten und meine Stirnfalten sind unverändert (wobei ich bei Retinol keine schnellen Ergebnisse erwarte). Deine Skincare Lesson (3) habe ich mir nochmals durchgelesen aber ich bin mir unsicher und wollte gerne deine EInschätzung erfragen.
    Liebe Grüße, Elisabeth

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    • Liebe Elisabeth,

      danke für deine Rückmeldung!! ❤️
      Bezüglich deiner Frage zum Retinol: ich sag mal so, solange es deine Haut verträgt, ginge theoretisch auch jeden Tag Retinol. Dass das Produkt bei dir so dünnflüssig ist, wundert mich etwas… Wie viele pumpstöße verwendest du denn?

      Liebe Grüße,
      Sarah

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      • Hallo Sarah!
        Danke für deine Antwort :)) Die letzten Abende habe ich jetzt genau auf die Menge geachtet: Ich brauche bei weiten keinen ganzen Pumpstoß. Selbst wenn ich einen Pumpstoß verbrauchen würde, würde ein 30ml Serum für 200 Anwendungen reichen (denn ein Pumpstoß sind 0.15g). Ungefähr verbrauche ich einen halben Pumpstoß.
        Wenn ich 15 min zuvor ein chem. Peeling gemacht habe brennen meine Wangen – es tut sich also schon was (mein Peeling ist von G&G 4%PHA – also ein sehr mildes Peeling).
        Mir kommt das Retinol schon sehr dünnflüssig vor – aber vielleicht lässt es sich auch einfach nur gut verteilen, weil zuvor wässrige Seren auftrage?
        Jedenfalls überlege ich, ob ich mehr auftragen soll, vielleicht 1 Pumpstoß, um das Retinol aufzubrauchen und aus Sorge dass es zu wenig wirkt wenn es zu wenig ist?
        Liebe Grüße und SCHÖENES Wochenende, Elisabeth
        PS: Dein Spagetti-Foto auf Instramm hat mir sehr gut gefallen!!

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      • Liebe Elisabeth,

        also ein halber Pumpstoß ist schon sehr sparsam 😉 Je weniger Du verwendest, desto geringer wird natürlich auch die Wirkung ausfallen – soweit, so logisch. Ich würde sagen, wenn Du es jetzt schon so lange verwendest und weder einen wirklichen Unterschied feststellst, noch mit Irritationen zu kämpfen hast, kannst Du Dich ruhig auch mal an einen Pumpstoß heranwagen.

        Bitte verwende chemisches Peeling und Retinol nach Möglichkeit nicht gemeinsam in einer Routine. Mach das eine an dem einen Tag, das andere am nächsten Tag – nicht beides in eine Routine packen. Es kann zwar bei robusten Hauttypen durchaus gut gehen, aber um das ganze nicht zu sehr überzustrapazieren, empfiehlt man in der Regel entweder chemisches Peeling oder Retinoltreatment, aber nie beides gleichzeitig. Denn chemische Peelings sind nie wirklich „mild“, es sind einfach Peelings, auch wenn PHA natürlich deutlich entschärft daher kommt, im Gegensatz zu Glycolsäure beispielsweise… Ausnahmen von „kein-Retinol-und-chemisches-Peeling-kombinieren“ sind beispielsweise Produkte, die minimal Retinol enthalten und daher nicht wirklich als Retinol-Treatment durchgehen.

        Ich hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter?! Lass mich gerne wissen, wie Du mit den „Anpassungen“ in Deiner Routine vorgehen willst und ob Du damit zurecht kommst.

        Viele liebe Grüße,
        Sarah

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  2. Hallo liebe Sarah,
    da sprichst du einen wichtigen, aber von mir oft ignorierten Punkt an: Geduld. Die fehlt mir gerne mal und gerade in den Zeiten, in denen meine Haut richtig schlimm war, habe ich durch häufige Produktwechsel es meiner Haut garantiert nicht einfacher gemacht.
    Da ich vor kurzem meinen zweiten Wohnsitz abgegeben habe, steht das Bad nun voll mit angebrochenen Produkten. So ist mir erst so richtig deutlich geworden, wie vielen Kram ich über die letzten 1,5 Jahre angebrochen habe; auch ziemlich viel, was überhaupt nicht zu meiner Haut passt, ich aber unbedingt probieren wollte. Einiges habe ich bereits entsorgt, anderes wird aufgebraucht – und danach gibt es eine reduzierte Routine.
    Liebe Grüße,
    Verena

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    • Hallo liebe Verena,

      Danke für Dein Feedback!!
      Klar, irgendwo ist das ja auch verständlich. Zum einen will man ja, dass sich etwas ändert und man eeendlich einen Unterschied sieht, zum anderen ist es auch irgendwo verlockend Neues zu probieren. Ich mache mich auch nicht komplett freit davon… es könnte ja irgendwo da draußen ein Produkt geben, das NOCH besser funktioniert. Da schlägt das Trüffelschwein in mir durch 😀

      Aber ich glaube, das Ganze ist auch irgendwo ein Lernprozess und da gehört auch dazu, dass man selber Erfahrungen sammelt und mit der Zeit feststellt, was zu einem passt und was nicht, was funktioniert und was eher useless ist. Daher sei nicht so streng mit Dir!

      Ich denke aufbrauchen und in Zukunft bedachte Entscheidungen treffen ist ein guter Schritt in die richtige Richtung… und mal davon abgesehen, Hautpflege soll ja irgendwo auch Spaß machen. HIn und wieder mal etwas zu testen oder Neues zu probieren, ist auch nicht schlecht… solange man es nicht übertreibt, stört das doch keinen 😉

      Viele Liebe Grüße,
      Sarah

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  3. Liebe Sarah,
    auch ich finde deinen Artikel wieder sehr gelungen! Du sprichst aus meiner Sicht ein sehr wichtiges Thema an. Für mich ist das Ziel eine Routine mit einer überschaubaren Anzahl an Produkten zu haben, die für meine Haut funktionieren und ich nicht ständig etwas Neues ausprobieren muss. Allerdings befinde ich mich noch auf dem Weg dahin. Ich habe meine Pflege auf reizarm und die Verwendung von Wirkstoffen wie Retinol, AHA, BHA letztes Jahr umgestelllt. Mittlerweile habe ich schon einige Produkte entdeckt, die für meine Haut so gut funktionieren, dass sie es fest in meine Routine geschafft haben und ich sie immer wieder nachkaufen werde. Da suche ich auch nicht mehr nach Alternativen. Aktuell bin ich z.B. noch auf der Suche nach dem Moisturizer. Am liebsten wäre mir ein Produkt, das ich das ganze Jahr über verwenden kann. Aber ich glaube fast, das gibt es nicht.
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel zu diesem Thema!

    Viele Grüße

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    • Hallo liebe Sinah,

      mensch, vielen Dank für Dein Feedback und Diene Gedanken zu dem Thema!!
      Dein Ziel ist in gewisser Weise auch meines: eine Routine, die funktioniert und auf die man sich im Grunde „blind verlassen kann“. Ich denke es ist nur verständlich, dass das nicht über Nacht geschhieht und man sich da ganz natürlicher Weise erstmal rantastet, viel ausprobiert und wieder verwirft, bevor man wirklich zufrieden ist. Schön zu hören, dass Du da für Dich bereits eine gute Lösung gefunden hast… naja zumindest fast 😉 Denn die Problematik mit dem Moisturizer kenne ich nur zu gut. Das hat bei mir auch mit am längsten gedauert.

      Inzwischen bin ich bei einem Lieblingsprodukt angekommen und tatsächlich habe ich das Glück, dass es Sommer wie Winter ausgezeichnet funktioniert. Hier mache ich auch kaum mehr Experimente (es sei denn im Rahmen von Testphasen für Blogreviews^^). Bleib einfach dran! Du findest sicher auch hier noch ein Produkt, das Dich überzeugt 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Sarah

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